Anspruchsvoll
Alban Berg würde sich wundern. Und vielleicht sogar zustimmen. Denn was Detlef Heusinger aus dem fragmentarisch überlieferten Material des dritten «Lulu»-Aktes gemacht hat, ist – wie die jetzt am Bremer Theater erfolgte Uraufführung dieser Fassung zeigte – eine höchst beachtenswerte, ebenso fantasievolle wie punktgenau durchdachte Alternative zu Friedrich Cerhas 1979 uraufgeführter Vervollständigung des Werks, die sich nicht überall durchgesetzt hat.
Manche Bühnen greifen auf die alte zweiaktige Version zurück, Kopenhagen zeigte 2010 eine neue, von Eberhard Kloke verantwortete, gestraffte, in ihrer Klangfarbigkeit beeindruckende Fassung (OW 12/2010), Hamburg konfrontierte vor zwei Jahren in einem ungemein eindringlichen Opernabend (der das Prädikat «Aufführung des Jahres» erhielt) das «nackte» Particell mit dem Violinkonzert «Dem Andenken eines Engels» (OW 4/2017). Jetzt gibt es in Bremen einen neuen Denkanstoß.
Auch Heusinger betont in seiner Bearbeitung den Fragmentcharakter, die Brüchigkeit des dritten Akts. Er nimmt einige Kürzungen vor (unter anderem ist die Szene mit dem «Saujud», an der sich Arnold Schönberg gestoßen hatte, gestrichen) und reduziert die in den ersten ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Gerhart Asche
Nein, diese Senta träumt nicht. Diese Senta ist ein Trotzkopf, stets im Hier und Jetzt. Ein Wimmelkind, das sich nicht bändigen lässt, weil es seinen eigenen Willen hat und den, zur Not wider jede Vernunft, durchsetzt. Schon als kleines Mädchen. Kaum ist der erste Sturm durch die Ouvertüre gebraust, kaum strömt das tannhäuserhafte F-Dur-Andante mit dem...
Die größte Herausforderung, will man Antonio Vivaldis Oratorium «Juditha Triumphans» auf die Opernbühne bringen, besteht sicher darin, die fünf vorgeschriebenen Frauenstimmen in mittlerer bis tiefer Tessitura, die der Komponist seinerzeit für die Premiere im Mädchen-Waisenhaus Ospedale della Pietà auswählte, so charakteristisch zu casten, dass sich ihre Farben...
Zum Glück besitzt Rolando Villazón viele Talente. Seit er sich als Sänger immer mehr zurückziehen muss, lebt er diese umso stärker aus: Regisseur, Autor, Fernsehmoderator, Rollenmodell und Mozart-Botschafter. In Salzburg fügt er seinem Portfolio nun für fünf Jahre die Intendanz der seit 1956 jährlich rund um des Komponisten Geburtstag stattfindenden Mozartwoche...
