Alles für die Macht
Es ist immer spannend, inwiefern Eröffnungsstücke ehrliche Intendanz-Versprechen für folgende Spielzeiten abgeben. Lothar Krauses Start mit Monteverdis 1642 für den venezianischen Karneval komponierter «L’incoronazione di Poppea» in der Einrichtung von Ernst Krenek verstand sich keineswegs als Opposition gegen die historisch informierte Aufführungspraxis, sondern offenbarte, wie gut die Chemie zwischen dem Theater Hof und den (unabhängigen) Hofer Symphonikern ist.
Auch szenisch war der Abend ein Gewinn – der stürmische Beifall nach der Premiere war hörbarer Beleg dafür, dass das Publikum Krauses Lesart goutierte.
Der inszenierende Intendant, seine Ausstatterin Aylin Kaip (deren Kostüme mehrere Stilepochen miteinander vermischen) und der neue Musikdirektor Peter Kattermann nutzen «Poppea» als wirkungsmächtige Spielvorlage für eine grundlegende Hinterfragung trügerischer Bilder. Den großen roten Rosen vor den Wänden mit Skizzen altrömischer Ruinen kann man so wenig trauen wie dem riesigen, über den Dingen schwebenden Silberlorbeerkranz oder Poppea. Sie will partout nach oben und meuchelt (fast) die gesamte Konkurrenz. Auch zeigt sich: Jedes Wesen ist nach dem Beischlaf einsam, erst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2024
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Roland H. Dippel
Manchmal tat sie gar nichts mehr auf der Bühne. Stand da wie eine erstarrte Singsäule, wie heißes Eis. Weil da diese Präsenz war, die alles und alle an die Wand drückte. Dazu ein Gesang, der im besten Sinne gestisch war, von solch einer Eloquenz und Energie, dass jede Arm -bewegung, jeder Gang nur unnütze Verdoppelung gewesen wäre. Das wusste und weiß Agnes Baltsa,...
Ist das nun spektakulär oder doch nur Spektakel? Wer ein Fan des «Oper für alle»-Prinzips ist, wird Ersteres betonen, Puristen der Sakralmusik wie der historischen Aufführungspraxis dagegen wohl eher Letzteres. Nach dem Überraschungserfolg mit Hans Werner Henzes «Das Floß der Medusa» im vergangenen Herbst hat sich die Komische Oper erneut in einem Hangar des...
Der Teufel trägt Trenchcoat, beigefarben, darunter ähnlich getönten, ziemlich edlen Zwirn, einen Anzug samt Hemd und Weste; auf der Nase sitzt eine modische Brille. Könnte, so elegant, wie ihn Kostümbildnerin Julia Rösler eingekleidet hat, durchaus ein feiner Herr sein, doch ebensogut würde der grandios spielende und extrem variabel singende Krzszytof Bączyk als...
