Alptraum in Pink

München, Puccini: Madama Butterfly

Opernwelt - Logo

Das nächtliche Warten der «Frau Schmetterling» im Hochzeitskleid auf die heiß ersehnte Ankunft ihres Mannes aus dem fernen Amerika – Doris Dörrie nimmt es symbolisch. Sie zeigt Butterflys Traum, zeigt, wie Puccinis Titelheldin, eingesponnen wie eine Raupe in einen weißen Kokon, sich langsam aus ihrer Verpuppung windet, mit einem Fächer auf dem Rücken zu einem Falter erblüht (Choreografie: Tadashi Endo) und sich doch in einem Netz verfängt, das eigentlich das Dach ihres Hauses sichert.


Schon die Liebesszene im ersten Akt begann unter diesem Fächer, und sterbend wird Cio-Cio-San ein letztes Mal zum Schmetterling. Das mag man kitschig finden, aber es ist zutiefst berührend, passt wunderbar zu Puccinis Musik und kontrastiert effektvoll zu einer Inszenierung, die eine bei der Uraufführung 1904 in der Jetztzeit spielende Handlung in das Japan von heute verlegt: «Enjo-Kosai» nennt sich das weit verbreitete Phänomen von Schulmädchen, die sich in Business-Hotels prostituieren, um Handyrechung oder ein neues der verrückten, von allen begehrten Kleidchen bezahlen zu können, aber auch um vielleicht den reichen, schönen Liebhaber aus dem Westen zu finden. So ist alles, was Bernd Lepel im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2005
Rubrik: panorama, Seite 46
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Cilea: Gloria (Previtali),Puccini-Leoncavallo u.a.

Unter den Komponisten seiner Generation, die man historisch der «giovane scuola» zuordnet, war Francesco Cilea (1866-1950) schon zu Lebzeiten ein Außenseiter. Sein Nachruhm gründet sich auf eine einzige Oper, «Adriana Lecouvreur» (und auf die populäre Tenorarie «È la solita storia» aus «L’Arlesiana»). An «Gloria», sein letztes Bühnenwerk, hat er selbst nicht recht...

Laboratorium im Regenwald

Zwei Uhr früh. Der Himmel über Manaus ist schwarz. So schwarz wie das Wasser des Rio Negro, der sich an dem 1,5-Millionen-Nest mitten im Amazonasdschungel vorbeiwälzt. Fünfunddreißig Grad. Gefühlte Temperatur: fünfundvierzig Grad. Die Luft steht. Ein klebriges Gemisch, das so viel Feuchtigkeit mit sich zu führen scheint wie der mächtige Fluss, der an den Rümpfen...

Glaube - Liebe - Hoffnung

Wasser. Rings herum nichts als Wasser. Man darf sich das gar nicht vorstellen. Wie das wäre. Was man machen würde in dieser Sekunde, in der das Wasser hier unten, zirka zwölf Meter unter der Straße, durch die Mauern drückt, die Mauern niederreißt, alles, was da kreucht und fleucht, fortreißt in einem riesigen Schwall und man selbst fortgerissen wird von diesen...