Alptraum auf Deutsch
Die Spezialdisziplin des Regisseurs Volker Lösch besteht darin, Opernstoffe für politische Aussagen umzufunktionieren. Nach Beethovens «Fidelio» und der Kurdenproblematik sowie Weills «Mahagonny» mit der Flutkatastrophe im Ahrtal ging es beim «Freischütz», seiner dritten Bonner Operninszenierung, um den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg einer rechtsextremen Partei.
Das Schlussbild zeigt einen riesigen weißen Schriftzug auf schwarzem Grund: «2029 AfD verhindern!»
In ihrer brachialen Einfachheit, die stets ein wenig an das Agitprop-Theater der 1970er-Jahre erinnert, wirken Löschs Inszenierungen oft wie aus der Zeit gefallen, sind aber in ihrer Ehrlichkeit dann doch relevant. Und zwar nicht nur wegen der politischen Implikationen (welchem vernünftigen Menschen wäre nicht bang vor rechtsradikalen Umtrieben), sondern auch aufgrund ihrer theaterästhetischen Grundüberlegung. Dazu bemüht der Dramaturg Stefan Schnabel keinen Geringeren als Karl Marx: «Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen bringen, dass man ihnen ihre eigene Melodie vorsingt.» Oper, verstanden als «Kraftwerk der Gefühle» (Alexander Kluge) sei geeignet, den dumpfen, affektiven Ressentiments, die das ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Richard Lorber
Ein Trauerspiel ist’s. Aber keines in fünf Akten, wie gewöhnlich, sondern eines, das sich über fast sieben (nicht gar so gute) Jahre hinwegzieht und aus rund 70 Briefen und Telegrammen besteht. Die Protagonisten sind der Hofoperndirektor Gustav Mahler und ein Sänger, genauer: ein Tenor. Und da fangen die Schwierigkeiten schon an. Tenöre können Götter sein, wenn...
Wie alle barocken Seria-Opern ist auch Händels «Sosarme» ein Sängerfest, in dem sich die Da-Capo-Arien der Solisten wie Perlen auf einer Schnur aneinanderreihen. Dennoch macht der selten aufgeführte, auch auf Tonträgern vernachlässigte «Sosarme» eine Ausnahme, weil es keine der 21 Solonummern ist, die sich besonders einprägt, sondern das Duett «Per le porte del...
Wo anfangen, wo enden? Diese Frage wird sich vermutlich auch der Autor dieses bestechend kaleidoskopischen Ideen-Panoramas gestellt haben. Die Antwort darauf aber muss weder Norbert Abels noch sonst jemand finden. Der «Stoff, aus dem die Opern sind» gibt sie selbst: die Fülle der Gedanken(spiele) und Assoziationen, die nie je von Blässe angekränkelt sind, sondern...
