Alles Puccini?
Das Wort von der «Globalisierung» ist irreführend, selbst dort, wo es darum geht, die Realität der Oper im Jahre 2011 zu beschreiben. Denn beim weltweiten Siegeszug dieser originär europäischen Gattung ist gerade nicht ein Ineinandergreifen oder gar eine Verschmelzung unterschiedlicher kultureller Traditionen zu beobachten, sondern der Export einer spezifisch europäischen Form kultureller Repräsentation.
Dennoch möchte ich im Folgenden von dem sprechen, was man gemeinhin Globalisierung nennt, präziser aber als internationale ökonomische Standardisierung bezeichnen sollte: Denn unbestreitbar ist es der Rede wert, dass heute nicht nur Tenöre für italienisch gesungene Opern in Korea rekrutiert werden, dass nationale Sonderformen der Operngeschichte wie die sogenannte «Spieloper» eines Lortzing oder die opéra-comique eines Auber oder Adam vom Mainstream des italienischen Repertoires verdrängt worden sind, dass ein Opernbesucher in den meisten Fällen weder aus dem Besetzungszettel noch aus der Gesangstechnik noch aus dem Orchesterklang und schon gar nicht aus der gesungenen Sprache Rückschlüsse darauf ziehen kann, in welchem Land oder auf welchem Kontinent er sich gerade befindet.
Nun ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Meine Erfahrung mit ‹Fidelio› ist eine ganz einfache: Ich bin als Zuschauer immer eingeschlafen, wenn ich diese Oper gesehen habe. Deshalb habe ich mich gefragt: Schaffst du eine Inszenierung, bei der das Publikum nicht einschläft? […]. Es ist eine wunderbare Oper, aber sehr statisch. Bewegung zu schaffen war die Herausforderung.» So formulierte Manfred...
Auch größte Mozart-Liebhaber – sind wir das nicht irgendwo alle? – haben an dieser Geschichte gezweifelt. Dass zwei Freunde ihre beiden Verlobten verlassen, um ihre Treue zu prüfen, weil sie darauf eine Wette eingegangen sind, mag man ja noch glauben. Dass sie verkleidet zurückkehren und den beiden Schwestern den Hof machen – und zwar der jeweils anderen – mit...
Herr Konwitschny, Sie sind in Berlin an der Hanns-Eisler-Hochschule ausgebildet worden, haben viele Jahre bei Ruth Berghaus assistiert, bei Joachim Herz. Sie sind also, wenn ich so sagen darf, als Regisseur in der DDR sozialisiert worden. Der große Durchbruch kam im Westen – mit Arbeiten in Graz, Hamburg, Stuttgart, München. Hat dieser Erfolg mit dem zu tun, was...
