Wenn der Hirsch zweimal röhrt: Craig Colclough (Falstaff), Jacquelyn Wagner (Mrs. Alice Ford); Foto: Theater/Annemie Augustijns
Alles ist Wald auf Erden
Von den vielen Bäumen, die ein Opernregisseur im dritten Akt auf seine «Falstaff»-Bühne stellen könnte, interessiert uns heute, im Fall von Christoph Waltz, erst einmal sein eigener: sein Stammbaum. Man kennt diesen wunderbaren, doppelt Oscar-prämierten Schauspieler ja von vielen Produktionen, aber dass er auch als Opernregisseur tätig ist, wissen nur wenige. Und dass er in seinem Leben eine ungewöhnliche musikalische Prägung erlangte, das ist geradezu Privatgeheimnis.
Christoph Waltz’ Mutter ist die Bühnen- und Kostümbildnerin Elisabeth Urbancic, die sich nach dem Tod ihres ersten Ehemannes (Johannes Waltz) dem Komponisten und Kapellmeister Alexander Steinbrecher zuwandte und ihn auch heiratete. Steinbrecher war ein Meister der leichten Muse, arbeitete oft mit Peter Alexander zusammen, erfand einige wunderbare Wiener Lieder, doch war er das Gegenteil des Schmieranten. Steinbrecher lobte stets den Geist des Handwerks und der rechtschaffenen Kunstausübung – von dieser Gesinnung im Elternhaus bekam der junge Christoph Waltz einiges ab und mit. Steinbrecher war kein doktrinärer Stiefvater, sondern ein Ermunterer, animierend und anregend (übrigens war Steinbrecher einige Jahre zuvor der ...
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Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Wolfram Goertz
Tja, so ist das, wenn Hände sprechen können. Es ist anders, anders intensiv. Es bedarf nicht der Berührung der Körper, keiner direkten sinnlichen Annäherung. Hände vermögen Gefühle, Gesten, Gedanken in einer Weise auszudrücken, die uns heute anachronistisch erscheinen mag, zur Zeit der Barockoper indes gang und gäbe war. Wie beispielsweise auch in Georg Philipp...
Besonders früh musste Elisabeth Schwarzkopf nicht aufstehen. Zwar war die junge Sopranistin im Jahr 1940 die «Frühbesetzung» in «Der Liebling des Kalifen» (nach Karl Maria von Webers «Abu Hassan»), der ersten in Deutschland speziell fürs Fernsehen produzierten Oper. Doch ging die erste Live-Ausstrahlung erst ab 15 Uhr über die damals noch spärlich vorhandenen...
Wer über kompendiöse Operettenkenntnisse verfügt, etwa der emeritierte Germanist Volker Klotz, könnte ein «Repertoire» von Hunderten spielbarer Werke dieses Genres zusammenstellen. In der gegenwärtigen Theaterpraxis figurieren jedoch nur noch eine Handvoll «klassischer» Operetten; und sie müssen sich den ohnedies kaum üppigen Anteil unterhaltsamen Musiktheaters in...
