Agamemnons Raumstation

Glucks «Iphigenie»-Opern als galaktische Abenteuer in Darmstadt

Das Theater ist eine Zeitmaschine. Wer Platz nimmt, beamt sich durch die Jahrhunderte. So auch in Darmstadt. Hier residiert bekanntlich das Europäische Raumflugkontrollzentrum ESOC – Europas Tor zum Weltraum. Wer in die Tiefen des Alls blickt, schaut in die Vergangenheit. Das Licht der Sterne, das heute bei uns ankommt, startete vor unendlichen Zeiten.
Vorwärts in die Vergangenheit – auch im Kleinen Haus des Staatstheaters: Dunkel wird’s. Die Streicher beschwören mit fallenden Motiven Unheimliches herauf.

Dann hebt sich der Vorhang, und das Publikum fliegt zwischen Sonnen und Sternen. «Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis…», liest man auf einem Schriftband. Das ist der Beginn der berühmten Science-­Fiction-Serie «Star Wars». Die Ouvertüre passt zum Weltraumspektakel, als ob Hollywood-Regisseur George Lucas sie bei Chris­toph Willibald Gluck bestellt hätte. In weiße Plas­tikrüstungen gesteckte Soldaten, in rote mönchsartige Kutten gewandete Pries­ter, in verführerisch hautengem Kostüm die Königs­tochter – selbst Laserschwerter und Weltraummonster fehlen nicht.
Opernregisseur Philipp Kochheim ­zitiert die kalifornische Traumfabrik, versetzt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Thomas Rothkegel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Telemann: Don Quichotte

Die Tiere sind putzig. Kuschelige Kunstgebilde, süße Stoffwesen, inspirierende Installationssubjekte. Sancho Pansa schleppt seinen «Grauen», wie er den Esel liebevoll nennt, der ihn mehr liebt als die eigene Ehefrau (und vice versa), mit einem Tau auf die Bühne. Es folgt die Grande Dame der Pferdewelt, Rosi­nante, treue Gefährtin Don Quichottes, des edlen...

Tatjanas Traum

Gedanken, Traum, Realität: Wo hört das eine auf, fängt das andere an? Fragen, die Covent Gardens neue Produktion von «Eugen Onegin» stellt, wenn sie Tatjana aus der unschuldigen Landschaft ihrer Jugend in die luxuriöse Raffinesse von St. Petersburg begleitet. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind miteinander verwoben im romantischen Wunsch nach Erfüllung.
Diese...

Die Avantgarde lebt

«Erst auf Brünnhildes inbrünstiges Flehen mildert Wotan seinen Spruch. Das Wasser teilt sich und gibt einen Durchgang frei.» Das rote LED-Laufband auf dem Portikus des Aachener Stadttheaters lockt Passanten an. Nach Zufalls­prinzip hat Volker Straebel Sätze aus Opern-Inhaltsangaben ausgewählt und nebeneinander gestellt. Das Theater der Kaiserstadt wagt sich als...