Abgehakt

Wagner: Götterdämmerung Nürnberg / Staatstheater

Opernwelt - Logo

Es brennt nicht, zumindest nicht auf der Bühne. Dafür flackert es rotgelb auf den Screens der Smartphones, die Hagens Mannen mahnend erheben. Brünnhilde kümmert das nicht, sie hat zu tun, am Schreibtisch sitzend, mit den Rheintöchtern. «Selig grüßt dich dein Weib», dann wird getwittert. Gutmenschen-Sätze über den Zustand und Verfall der Welt, kommentiert von anderen lustigen Nickname-Besitzern. Live sei dies alles, versichern die Verantwortlichen des Staatstheaters Nürnberg, und gedacht als Heimholung des «Rings» in die – angeblich – heilsbringende soziale Medienwelt.

So viel Computer war mutmaßlich noch nie im Finale der «Götterdämmerung», das sich hier (dies wiederum gab es schon oft) als Konterkarierung von Pathos versteht, dabei aber mit all seinen Netzspielereien ein Problem bekommt: Es driftet in die Belanglosigkeit.

Regisseur Georg Schmiedleitner hat mit Stefan Brandtmayr (Bühne) und Alfred Mayerhofer (Kostüme) viel in seinen Nürnberger «Ring» gepackt. Umweltverschmutzung und Ressourcenverschwendung, Kapitalismus- und Medienkritik, alles Topoi, die sich gewiss aus Wagners Großwerk ableiten lassen und einen langen Abend kurzweilig machen, die aber beim bemühten Herunterbrechen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Alles unter Kontrolle

Beethovens einzige Oper ist eine der revolutionären Manifestationen des Musiktheaters und zugleich eins seiner größten Sorgenkinder. Jossi Wieler und Sergio Morabito haben «Fidelio» jetzt in Stuttgart inszeniert – mit jener akribischen Versenkung in das Werk und seine Überlieferung, wie sie für die beiden selbstverständlich ist. In ihrer gemeinsam mit dem...

Tunnelblick

Hoch hinaus ging’s an der Lindenoper schon immer. Das gilt auch für die Kosten der Sanierung der 1792 von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff für Friedrich II. errichteten Hofoper. Nicht 239 Millionen Euro, wie ursprünglich verkündet, auch nicht 288 Millionen, wie zwischenzeitlich berechnet, sondern 389 Millionen Euro wird die Rundumerneuerung der Berliner Staatsoper...

Mit Schirm, Schwarm und Melone

Magisch flirren kann der Beginn des «Lohengrin», flageolettfarbene Sphärenmusik sein. In Bern geht das erst mal schief – weil eine der Violinen um Haaresbreite danebenliegt. Erst als die Holzbläser und die tiefen Streicher den Klang grundieren, erfasst ein Sehnsuchtssog das Orchester wie eine geheime Tiefenströmung. Mario Venzago kann das, kein Zweifel. Der Chef...