Porträt des Künstlers als alter Mann
Der langen Reihe seiner Romanbiografien über Dichter und Komponisten des 19. Jahrhunderts hat Peter Härtling ein schmales Buch über Verdi hinzugefügt. Auch diesmal geht es ihm nicht um sachliche Lebensbeschreibung, sondern um deren literarische Anverwandlung, für die er sich die Bausteine aus Verdis Leben herausbricht.
Er setzt ein mit der Verunsicherung Verdis, der nach der «Aida» auf der Höhe seiner Kunst wie seines Ruhms sich mit dem Streichquartett und dem Requiem in weit von der Oper abliegende Gefilde verlor und danach auf Jahre verstummte.
Lose gereiht, in Sprüngen, skizzenhaft folgt Härtling der Lebens- und Schaffenslinie bis zu den späten «Pezzi sacri» und Verdis Tod. Er bedient sich dabei der Projektionsmöglichkeit des konjunktivischen Schreibens, vermischt wirkliche mit fiktiven Fakten, wobei die wirklichen allerdings oft verzerrt werden. Was erzählerisch legitim sein mag, stellt den Recherchen des Autors gleichwohl ein schlechtes Zeugnis aus. Noch irritierender wirkt das seltsam Ungeerdete des Textes, oft klingt er geradezu sprachlos, weil ihm Atmosphäre, Farbe, Boden, Ton fehlen – jene Zutaten also, die Härtlings Bücher über Hölderlin, Mörike, Schubert oder Schumann so ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Uwe Schweikert
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Im Internet liest sich das alles vielversprechend. Die Frage habe ihn immer fasziniert, schreibt Csaba Káel, der Regisseur von Carl Goldmarks «Königin von Saba» an der Budapester Staatsoper im Erkel-Theater, was geschehe, «wenn voneinander abweichende Kulturen bzw. deren Vertreter aufeinander treffen ...» Seit Ungarns prekärer Rolle in der gegenwärtigen...
