Abendstern, durchleuchtet

Was geschieht eigentlich organisch, wenn der Mensch singt? Wie sollten Kehlkopfmuskeln, Zunge, Lippen, Lunge, Zwerchfell zusammenspielen, damit die Stimme nicht überlastet wird? Einblicke in den aktuellen Stand der Forschung

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Ohne den dunklen Gevatter funktionierte diese Forschung früher nicht. Sehr genaue, anatomisch weitgehend korrekte Zeichnungen konnte Leonardo da Vinci im 15. Jahrhundert anfertigen, von der Zunge, vom Rachen, vom Kehlkopf. Doch vor der Niederschrift seiner Forschung samt Illustrationen stand die Arbeit mit dem Messer.

Das Universalgenie schnitt die Hälse Verstorbener auf, zerlegte sie, um hinter ein Geheimnis zu kommen, das die Wissenschaft schon weit vor der Renaissance beschäftigte: Wie ist es eigentlich bestellt um die menschliche Stimme? Was ist das Geheimnis dieses vollkommensten aller Instrumente? Wo liegen die Ursachen von Lautproduktion und jenem Kommunikationsmittel, das den Homo sapiens über das Tierreich erhebt?

Schon um 500 vor Christus forschte und fabulierte der griechische Philosoph Empedokles über die Stimme. Zwei Jahrhunderte nach Beginn unserer Zeitrechnung zerlegte der römische Arzt Claudius Galen die Halsmuskeln von Schweinen. 1854 nahm der Stimmpädagoge Manuel García einen Zahnarztspiegel, führte ihn in seinen eigenen Hals und beobachtete mit einem zweiten, wie sich seine Stimmbänder bewegten. Je mehr die Medizin fortschritt und sich verfeinerte, desto ...

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Opernwelt Jahrbuch 2018
Rubrik: Musikermedizin, Seite 88
von Markus Thiel

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