Vorliebe für Außenseiter
Jeder große Künstler würde gern der letzte Mohikaner sein – oder der erste Mensch. Wir leben ja immer noch im Zeitalter des Originalgenies – auch, wenn dieser altehrwürdige Sturm und Drang-Begriff aus der Mode kam und längst durch neue, mit dem Zeitgeist von Copy & Paste kompatiblere Worte ersetzt worden ist, wie «Freak» oder «Ikone». Aribert Reimann ist weder das eine noch das andere. Er ist aber auch kein Geschichtspessimist, trotz seiner Vorliebe für die Nachtseiten des Lebens, die Ausgestoßenen, das Apokalyptische.
Was nicht nur Stoffauswahl und Quintessenzen seiner Werke geprägt hat, sondern sich, auf immer wieder andere Weise, unmittelbar in den Details seiner Musiksprache niederschlägt, in Form und Faktur, Klangbild und Instrumentalfarben. Tanz und Gelächter, Glück und Küsse kommen in Reimanns musikalischem Kosmos so gut wie nie vor. Stattdessen: Lamentogesten, geteilte Bratschen, dominierende Bässe, Schlagzeuggewitter und ein allzeit weit ausgreifendes Melisma, als Espressivo-Apotheose der leidenden, kämpfenden, sich entäußernden Menschenstimmen.
Eine schwarze Spur der Melancholie zieht sich unüberhörbar durch sein Œuvre, quer durch die frühen, ernsten Liedkompositionen ...
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«Es schadet nichts, auf einem Entenhof geboren zu sein, wenn man nur in einem Schwanenei gelegen hat!» Kaum ein geflügeltes Wort Andersens ist in Dänemark so häufig parodiert worden wie diese Stelle aus dem «Hässlichen jungen Entlein». Auch Rued Langgaard lädt dazu ein. Das Künstlerkind wuchs auf in Kopenhagens feinem Viertel Gammelholm – alles außerhalb dieser...
Geschlossene Gesellschaft, ein Zirkel nur für Eingeweihte. Nichts jedenfalls für Dilettanten und den Plebs. Auch weil diese Versuchsanordnung im Gonzaga-Palast weniger Kulinarik als intellektuelle Befriedigung versprach. Ein neues Genre galt es schließlich in Mantua zu beobachten und zu feiern, das sich am 24. Februar 1607 im «L’Orfeo» materialisierte und...
Trompeten erschallen mit mutigem Ton und gehen, während daß verwandelt wird, in ein wildes Kriegsgetümmel über, das Orchester fällt ein bei offener Szene und wird von kriegerischen Instrumenten hinter der Szene begleitet.» Keine Frage: Friedrich Schiller wusste ziemlich genau, was er hören wollte zwischen der fünften und sechsten Szene des zweiten Akts seiner...
