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Arme Effi. Wie Theodor Fontane das Schicksal des Mädchens aus dem Havelland in seinem perfekt temperierten Roman beschreibt, geht noch immer unter die Haut. Die ins Korsett erstarrter Gesellschaftsregeln gezwängte Lebensfreude. Das naiv-provinzielle Aufsteigersehnen nach einem Leben in der Berliner Noblesse. Die innere Vereinsamung unter dem Regiment eines Gatten, der in pflichtschuldigem Dienst an König und preußischem Vaterland aufgeht. Die Flucht in eine Romanze mit tödlichem Ausgang. Das Verlöschen der Kräfte, das siechende Ende, von der Welt verstoßen, von Gott verlassen.
Kein Zweifel, «Effi Briest», 1896 erstmals als Buch erschienen, vielfach dramatisiert und verfilmt, ist das deutschsprachige Pendant zu Gustave Flauberts «Madame Bovary». Große Literatur, die weder verklärt noch verurteilt, vielmehr mit menschlichem Maß misst, von Irrungen, Wirrungen und der Macht des Zufalls erzählt, in geschliffener, aus Sympathie gewonnener Sprache.
In 36 Kapiteln entfaltet Fontane die Tragödie seiner ins Nichts gleitenden Heldin. Und exakt 36 – von einem Prolog und Epilog gerahmte – Szenen gliedern auch das musikdramatische Opus, das Siegfried Matthus im Auftrag des Staatstheaters ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Albrecht Thiemann
Weder Oper noch Oratorium. Nicht für die Bühne noch für sakrale Räume gedacht, sondern als «Dichtung» für den Konzertsaal. Robert Schumann stellte sich für das 1843 mit großem Erfolg in Leipzig uraufgeführte Werk «heitere Menschen» vor. «Das Paradies und die Peri»: eine unvergleichliche Komposition, inspiriert durch das erstmals 1817 erschienene Epos «Lalla Rookh»...
Das höchste Ziel eines Schriftstellers habe es zu sein, die Welt in Sprache zu verwandeln, ihren krummen Pfaden zu folgen und zu sehen, was Sprache mit Erfahrung macht. So Peter Handke. Man könnte dies in erweitertem Sinne – ersetzt man «Sprache» durch «Musik», oder noch besser: verbindet man beides – auch auf Marlis Petersen und ihr Triptychon «Dimensionen»...
Einer der Erfolgssongs der Pop-Gruppe Erste Allgemeine Verunsicherung provozierte mit dem Refrain: «Einmal möchte ich ein Böser sein, eine miese Sau.» Ein erfüllbarer Wunsch, wie ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt. Auch Titus Flavius Vespasianus (39-81) war nicht jener Gutmensch, als der er in Mozarts letzter Oper beworben wird. So ließ er Jerusalems Tempel...
