1923 ist heute!
Es war ein Jahr voller Krisen, dieses 1923: Hyperinflation, die Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Truppen, der dadurch angestachelte Nationalsozialismus (mit bekannten, schlimmsten Folgen wenige Jahre später). In seinem Buch wirft der 1975 geborene Tobias Bleek ein besonderes, intensives, immersives, informatives Dauerschlaglicht auf die Musik dieser Zeit – ausgehend von den besagten, politisch brenzligen Vorzeichen.
Bleek ist von Hause aus Musikwissenschaftler (er promovierte über György Kurtág), doch ist er auch im Rahmen seiner weitreichenden Tätigkeiten auf dem Gebiet der Musikvermittlung unterwegs. Und das merkt man diesem hervorragenden, tief in die explosive Materie eintauchenden Buch an; 100 Jahre «danach».
Dabei lag der Skandal von Strawinskys «Sacre» damals bereits zehn Jahre zurück! Dafür entwickelten in den USA afroamerikanische Musiker aus der überkommenen, scharfen Chromatik Mitteleuropas ihre ganz eigene, beneidenswert entspannte Art und Weise, mit den «Errungenschaften des Abendlandes» umzugehen (das Wort «Jazz» war zu dieser Zeit – als «offizieller Terminus» – gerade einmal acht Jahre alt). Doch die Rassentrennung war jenseits des ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 39
von Arno Lücker
Die Musik von Olivier Messiaen ist … wie ein Kirchenfenster. Voller freudvoller Farben, aber auch hermetisch unterteilt, vom Heiligen Geist durchsprüht und manchmal unfassbar statisch und formelhaft. Der gläubige Katholik, Orgelvirtuose, Komponist, Lehrer und Hobby-Ornithologe verstand sein Musiktheaterwerk «Saint François d’Assise» sicher als sein Opus magnum....
Aus Furcht vor der Welt da draußen ins Kloster fliehen zu wollen, ist nicht zwingend ein ratsamer Entschluss. Entweder wird man in solchem Fall nicht aufgenommen oder von seinen Ängsten eingeholt. Warum also Madame de Croissy, die Priorin des Karmelitinnen-Konvents von Compiègne bei Paris, die weltflüchtige Blanche de la Force dennoch ins Kloster eintreten lässt,...
Die Zahl macht heute noch fassungslos. Acht Millionen Menschen kamen im Dreißigjährigen Krieg zu Tode, von jenen 12 Millionen, die das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zuvor beheimatete. Für die Zeitgenossen schien die Apokalypse angebrochen zu sein, als eine enthemmte Soldateska auf Jahrzehnte hin entvölkerte Landstriche hinterließ, Hunger und Seuchen ihr...
