Uraufführung des Jahres 2024
Nicht jedes zeitgenössische Musiktheater ist zwingend auch ein Musiktheater für Zeitgenossen und -genossinnen. Manche Stücke erliegen zu sehr der Ambition, als rein ästhetische Schöpfungen wahrgenommen werden zu wollen; ihnen fehlt der nötige gesellschaftliche Bezug, sie sind, und das nicht unbedingt im besten Sinne des Wortes, L’art pour l’art.
Blättert man in Gedanken durch die vergangene Spielzeit, so lässt sich bei aller Unterschiedlichkeit der Stile und Methoden eines konstatieren: Die behandelten Stoffe hatten fast ausnahmslos mit jener Wirklichkeit zu tun, die uns nicht nur in der Kunst, sondern auch im Leben umgibt. Sei es Detlev Glanerts «Jüdin von Toledo» (in Dresden), Hèctor Parras «Justice» (in Genf), Hans Thomallas «Dark Fall» (in Mannheim/Schwetzingen) oder der «Liebesgesang» von Georg Friedrich Haas in Bern – die Verknüpfung des individuellen Schicksals mit einer soziokulturellen Implikation war in allen Fällen spürbar. Wie sich Privates in Politisches ausdehnt, wie sich beides gegenseitig bedingt, das zeigte auf besonders raffinierte und musikdramaturgisch wirksame Weise die «Uraufführung des Jahres» – Bernhard Langs «Dora» auf ein Libretto von Frank Witzel an der ...
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 36
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Die Musik Frankreichs hat es in Deutschland seit jeher schwer. Das Barock mit Meistern wie Couperin, Lully, Marais und Rameau führt hierzulande noch immer ein Schattendasein. Aber auch die Wertschätzung der Musik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts beschränkt sich jenseits der Namen von Berlioz, Debussy und Ravel auf die Kenner und Liebhaber dieser einzigartigen...
Ihre Biographie muss erst noch geschrieben werden. Was wir über die französische Komponistin Louise Bertin wissen, beschränkt sich auf ein paar spärliche Angaben, die aus Mangel an weiteren gern wiederholt werden (auch hier), aber nicht einmal alle gesichert sind. Wie diese wohl auch malerisch und schriftstellerisch hochbegabte Künstlerin wirklich gelebt hat,...
Liebe Frau Schmid, liebe Frau Lwowski, lieber Herr Klink, Sie haben die Wahl: Ist das unmögliche Kunstwerk Oper eher eine Quantité négligeable, ein neofeudaler Luxus, eine politisch relevante Kunstform oder vielleicht sogar nur die reine ästhetische Seelenbeglückung?
Nora Schmid: Eine einfache Antwort auf diese Frage kann es nicht geben. Dennoch würde ich spontan...
