Zwischensphären, Übergänge
Nur der neonweiße Rahmen bietet Halt. Ein hell fluoreszierender Streifen, der das gesamte Bühnenportal einfasst. Zum Bild wird so der Raum, zu einem Tableau vivant, das meist in mattes, diffuses Licht getaucht ist, nebelverschleiert, dunstig verhangen. Konturen und Kontraste verfließen, die Ordnung der Dinge scheint aufgehoben. Wie in der malerischen Filmkunst des russischen Regisseurs Andrei Tarkovsky.
Die rätselhaft elementare Magie der verbotenen Zone aus «Stalker» (1979) schwingt darin mit und, mehr noch, das milchige Wogen des mysteriösen, intelligenten Ozeans aus «Solaris» (1972). Auch Justines Traum einer interplanetaren Katastrophe, die mit Wagners «Tristan»-Vorspiel unterlegte Exposition zu Lars von Triers cineastischer Weltuntergangs-Vision «Melancholia» (2011), gehört zum Assoziationsfeld des eisigen Schauplatzes, der an Berlins Lindenoper das visuelle Ambiente des achten Musiktheaters von Beat Furrer dominiert: «Violetter Schnee». Dessen Leitmotiv, ein scheinbar idyllisches, vital wimmelndes Winterpanorama in Öl – Tarkovsky und von Trier zitieren es in ihren Filmen –, hat Pieter Bruegel der Ältere vor gut 450 Jahren auf 117 mal 162 Zentimeter Eichenholz entworfen: «Die ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Albrecht Thiemann
Wenn eine große Liebe zu Ende geht, ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Als Michele Mariotti 2007 zum ersten Mal auf das Podium im Teatro Comunale zu Bologna kletterte, um eine Probe zu Rossinis «L’italiana in Algeri» zu leiten, habe er «nicht bei Null», sondern bei «zehn unter Null» angefangen, witzelt er im Rückblick. Trotz eines Diploms in Komposition und...
Stefano Poda ist – wie sein italienischer Landsmann Romeo Castellucci oder wie Achim Freyer – Regisseur, Bühnenbildner, Choreograf, Kostüm- und Lichtgestalter in Personalunion. Seine Inszenierungen zeichnen sich durch eine strenge, genau kalkulierte Formensprache aus. Man könnte auch sagen: Er unterwirft die Werke, die er sich vornimmt, seiner eigenen Ästhetik....
Zwei Nachteile hat die aktuelle Therapie. Die Spritze piekst, und das Gesicht friert (im besten Fall zum Dauerlächeln) ein. Mal abgesehen von der Schuldlast, hatte also die Methode von Elisabeth Báthory, das verjüngende Bad im warmen Blut, der Botox-Injektion einiges voraus. Hunderte Mädchen ließ die ungarische Gräfin dafür bis zum Tode auspeitschen, stechen und...
