Zwischen Psychose und Emanzipation
Dem Osnabrücker Theater ist mit der Wiederaufführung von Hans Gáls Oper «Das Lied der Nacht» eine spektakuläre Entdeckung gelungen. Gál gehört zu den zahllosen, von den Nazis ins Exil vertriebenen Künstlern, die nach 1945 nicht wieder Fuß fassen konnten. Der stilkonservative Spätromantiker entsprach nicht mehr den Erwartungen der Zeit. Als er 1987 im Alter von 97 Jahren in Edinburgh starb, war es der Musikschriftsteller (mit Büchern über Verdi, Wagner und Brahms) und nicht der Komponist, an den man sich erinnerte.
Begegnet man jetzt dem 1926 uraufgeführten «Lied der Nacht», so ist man überrascht von der Souveränität der Formbeherrschung, der Originalität der melodischen Erfindungskraft und der farbigen Instrumentierung – eine Musik, die trotz Anklängen an Wagner und Strauss ganz eigenständig wirkt.
Vor allem ist Gáls «Dramatische Ballade» eine echte Oper, packende Theatermusik. Das klare, bildhaft-poetische Libretto Karl Michael von Levetzows, das Wagner stoffliche und Hofmannsthal sprachliche Anregungen schuldet, bietet dankbare Rollen. Seine im Umkreis der Freudschen Psychoanalyse angesiedelte Symbolik mag zeitbedingt sein, ist aber keinesfalls veraltet. Prinzessin Lianora wird ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Uwe Schweikert
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