Zwischen Form und Emotion
Gesagt ist gesagt – das wird durch’s irre Lachen hinterher auch nicht besser: Die Figuren, die Gluck auf die Bühne stelle, seien so erhaben, dass sie klängen, «als würden sie Marmor scheißen», behauptet Amadeus in Miloš Formans Film. Das klingt durchaus nach Mozarts flottem Mundwerk. Doch dass er dies auch wirklich so gesagt hat, möchten wir bezweifeln. Denn Mozart wusste vermutlich sehr wohl, dass die mythischen Charaktere schon in Glucks Reformopern im Sinne des Sturm und Drang gebrochen waren.
Menschen versteckten ihre Persönlichkeit nicht mehr hinter starren Affekten, sie erlaubten sich durchaus persönliche Gefühle.
In diesem Sinne bemüht sich auch Philippe Jaroussky in seiner neuen Einspielung, einen menschlich berührenden Orpheus vorzuführen. Freilich, er singt schön. Für manche vielleicht zu schön. Aber er scheint jener stimmigen Balance zwischen Form und Emotion verpflichtet, welche Eigenart der Wiener Klassik war. Kein depressiver Goldschmied verfertige traurige Armbänder, sagte der Wiener Schriftsteller Hans Weigel einmal.
Im Übrigen griff Jaroussky für diese Einspielung auf die 1774 im Hoftheater zu Neapel aufgeführte Version zurück (wobei diese sich wiederum auf ...
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