Zwischen Form und Emotion
Gesagt ist gesagt – das wird durch’s irre Lachen hinterher auch nicht besser: Die Figuren, die Gluck auf die Bühne stelle, seien so erhaben, dass sie klängen, «als würden sie Marmor scheißen», behauptet Amadeus in Miloš Formans Film. Das klingt durchaus nach Mozarts flottem Mundwerk. Doch dass er dies auch wirklich so gesagt hat, möchten wir bezweifeln. Denn Mozart wusste vermutlich sehr wohl, dass die mythischen Charaktere schon in Glucks Reformopern im Sinne des Sturm und Drang gebrochen waren.
Menschen versteckten ihre Persönlichkeit nicht mehr hinter starren Affekten, sie erlaubten sich durchaus persönliche Gefühle.
In diesem Sinne bemüht sich auch Philippe Jaroussky in seiner neuen Einspielung, einen menschlich berührenden Orpheus vorzuführen. Freilich, er singt schön. Für manche vielleicht zu schön. Aber er scheint jener stimmigen Balance zwischen Form und Emotion verpflichtet, welche Eigenart der Wiener Klassik war. Kein depressiver Goldschmied verfertige traurige Armbänder, sagte der Wiener Schriftsteller Hans Weigel einmal.
Im Übrigen griff Jaroussky für diese Einspielung auf die 1774 im Hoftheater zu Neapel aufgeführte Version zurück (wobei diese sich wiederum auf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mit der Uraufführung von Toshio Hosokawas Oper «Erdbeben. Träume» (siehe Seite 18) ist an der Oper Stuttgart nicht nur die Intendanz Jossi Wielers, sondern zugleich die Ära einer künstlerischen Kontinuität zu Ende gegangen – die des Regisseurs Jossi Wieler und des Dramaturgen Sergio Morabito, die das Haus für ein Vierteljahrhundert prägte. 36 gemeinsame...
Festivals
Sommerzeit ist Reisezeit. Und Gelegenheit, eines der vielen Festspiele zu besuchen – von Bayreuth bis Bregenz, von Salzburg bis Santa Fé, von München bis Aix-en-Provence (Foto). Wir sind vor Ort
Tobias Richter
Angefangen hat er als Regisseur. Doch seit mehreren Jahrzehnten sieht sich der Theatermann in erster Linie als Kunstermöglicher. Nun geht er in...
Das Stück ist ein Klassiker des zeitgenössischen Musiktheaters. Um die 500 Aufführungen hat Wolfgang Rihms «Jakob Lenz» seit der Hamburger Uraufführung 1979 erlebt. Zu Recht, glückte doch dem damals 27-Jährigen mit seiner konzentrierten Komposition ein beinahe zeitloser Wurf. Im Grunde ist diese Kammeroper ein einziger großer Monolog für einen in jeder Hinsicht...
