Zwischen festspielreif und hausbacken
Gioacchino Rossini hat zwar kein eigenes Festspielhaus, aber international nicht weniger Kultstätten als Richard Wagner. Das hätten sich beide Komponisten nicht träumen lassen, als sie im März 1860 in Paris zusammentrafen. Die französische Metropole, die über vier Jahrzehnte seine Wahlheimat war, tut dem Italiener bis heute die meiste Ehre an, denn sie nimmt ihn nicht nur als großen Musiker ernst, sondern auch als Genius des Musiktheaters.
Nach dem überaus originellen «Barbiere» von Coline Serreau, den wir in diesem Heft schon besprochen haben, liegen nun zwei weitere maßstabsetzende Inszenierungen von «L’italiana in Algeri» und «Il viaggio a Reims» auf DVD vor. Beide Produktionen nehmen Rossini «beim Wort», d. h., sie lassen sich auf seine Geschichten ein und setzen die musikalischen Abläufe in schlüssige, oft turbulente Bewegung um, statt die Vorlagen – wie es so häufig geschieht – durch ein Feuerwerk leerlaufender Gags aufzumöbeln oder ihnen mit pädagogischem Zeigefinger falsche Bedeutsamkeit abzutrotzen.
Ich erinnere mich nicht, eine bessere Produktion der «Italienerin» gesehen zu haben als die von Andrei Serban szenisch und Bruno Campanella musikalisch verantwortete Pariser ...
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