Zwischen Apokalypse und Grand Guignol
Die Oper ist als Geschichte durchaus lebendige Musik, als Genre heute aber völlig unzeitgemäß. Es ist Wahnsinn, nach Wozzeck eine Oper kom -ponieren zu wollen.» Diese Äußerung Mauricio Kagels aus dem Jahr 1971 formuliert bündig, welche Rolle das Musiktheater für die junge, um Pierre Boulez, Luigi Nono und Karlheinz Stockhausen gescharte Komponistengeneration der europäischen Nachkriegsavantgarde spielte, die sich seit 1946 alljährlich bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik traf.
Für die bourgeoise Institution Oper zu schreiben, überließ sie den ihrer Ansicht nach reaktionären Kollegen wie Benjamin Britten, Gian-Carlo Menotti oder Hans Werner Henze, über den Boulez in seinem berühmt-berüchtigten «Spiegel»-Gespräch 1967 sagte, er sei «ein lackierter Friseur, der einem ganz oberflächlichen Modernismus huldigt». Andererseits war der scholastische Serialismus der Webern-Nachfolge mit seiner totalen Durchorganisation des Materials, die alle traditionellen Parameter der Musik tabuisierte, kaum geeignet, eine größere, abendfüllende Form zu tragen. Werke wie Nonos «Intolleranza», Kagels «Staatstheater» oder Helmut Lachenmanns «Mädchen mit den Schwefelhölzern» blieben vereinzelte ...
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Opernwelt Jahrbuch 2023
Rubrik: György Ligeti, Seite 146
von Uwe Schweikert
Die Bezeichnung «französischer Mahler» hätte ihn vermutlich nicht besonders entzückt. Aber es kam auch niemand auf den Vergleich, da Mahler in Paris fast unbekannt war. Unter allen Komponisten Frankreichs hat nur einer den Wiener Kollegen rezipiert, nämlich Charles Tournemire (1870–1939). Er besorgte sich dessen Partituren und versah eigene Manuskripte mit...
Erinnern wir uns: Es ist kurz nach zehn am Abend, und noch einmal tönt da an diesem trüben Februartag 2018 des Hirten todestraurig klagende Weise, da raunt der getreue Kurwenal seinem der Welt eigentlich schon längst abhanden gekommenen Tristan zu: «Noch ist kein Schiff zu seh’n!» Wird die ihren Geliebten erlösende Isolde je zurückkehren? Wenn ja, dann sicherlich...
Frau Meier, von Ingeborg Bachmann ist der Satz überliefert: «Aufhören können, das ist nicht eine Schwäche, das ist eine Stärke.» Mezzosoprane scheinen darin gut zu sein, drei Namen mögen genügen: Janet Baker, Brigitte Fassbaender, Christa Ludwig.
Ich sehe es so: Generell fällt es Männern schwerer, aufzuhören. Sie identifizieren sich mehr über ihren Beruf als...
