Kinder, schafft Neues!

Die Bayreuther Festspiele tun sich äußerst schwer damit, eine bezwingende Ästhetik zu etablieren, die den «Mythos Wagner» zu revitalisieren imstande ist. Dabei gäbe es durchaus einige Möglichkeiten zu einer Innovation, die die Traditionen nicht negiert

Opernwelt - Logo

Es gibt in Bayreuth ein höchst erfolgreiches Privattheater: Im Innenhof des Klavierbauers Steingraeber bietet der Regisseur und Schauspieler Uwe Hoppe seit 40 Jahren seinen ganz eigenen, stets frischen Blick auf das Werk Richard Wagners. Mit «Lohengrin sein Vater und der Gral» stellte man sich im vergangenen Sommer in der «kleinen Scheune» unter anderem der interessanten Frage, wer eigentlich Lohengrins Mutter war.

Wer zeitgleich den «Ring des Nibelungen» in der größeren Scheune am Hügel besucht, könnte sogar den Verdacht bekommen, Hoppe habe seine Regietätigkeit inzwischen unter Pseudonym ausgeweitet. Denn was sich Valentin Schwarz 2022 für Wagners ungestrichenen Notentext ausgedacht hat, besitzt über weite Strecken ähnlich humoristische Qualitäten wie weiland Hoppes «Ring der Niederungen». Man hockt bei Götters, steigt für den Marsch nach Walhall gechillt in den ersten Stock; im «Rheingold» fährt Fafner noch SUV, später, im «Siegfried», dann eher Rollator; und Gunther trägt ein echt cooles T-Shirt mit der Aufschrift «Who the fuck is Grane?» Nach einer inneren Logik zu suchen, mag Rezensenten zur Verzweiflung gebracht haben. Dafür darf man das junge Regieteam um seinen Spaß bei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2023
Rubrik: Mythos Wagner, Seite 118
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
«Die Kunst wird siegen!»

Herr Freyer, Sie arbeiten auch im Alter unverändert viel und konzentriert. Wie war Ihr Tag heute?
Er war schöpferisch, aber nur für den Körper und fürs Gemüt. Meine Frau und ich haben einen frühen Spaziergang gemacht, aber da fing es wieder an zu regnen. Man arbeitet ja trotzdem, man kann es gar nicht lassen. Es macht so viel Spaß.

Ist Italien auch für Sie die...

Das klinget so herrlich ...

Georg Friedrich Händels «Hercules» an der Oper Frankfurt war in der Inszenierung von Barrie Kosky ein Triumph für die Sängerin Paula Murrihy als Dejanira – und für den Chor. Das liegt einerseits an Händel, der ihm eine so reflektierende, empathische, neugierige Rolle gibt, wie es einem (wenn auch opernnahen) Oratorium geziemt. Das liegt andererseits am Regisseur,...

Bauchmensch

Ziemlich genau 30 Minuten ist der zweite Aufzug alt, da wird er zur Anfechtung, auch für manchen Wagner-Nerd. Der Überraschungsangriff des Vorspiels, die jubelnden «Hojotohos» Brünnhildes, der Ehezank im XXL-Format. Und dann verpuffen und versickern die Effekte, weil es für den Göttervater ans Eingemachte geht, weniger fürs Publikum, so ist das jedenfalls in vielen...