O hehrstes Wunder
Frau Meier, von Ingeborg Bachmann ist der Satz überliefert: «Aufhören können, das ist nicht eine Schwäche, das ist eine Stärke.» Mezzosoprane scheinen darin gut zu sein, drei Namen mögen genügen: Janet Baker, Brigitte Fassbaender, Christa Ludwig.
Ich sehe es so: Generell fällt es Männern schwerer, aufzuhören. Sie identifizieren sich mehr über ihren Beruf als Frauen. Männer sind das, was sie tun. Bei uns Frauen habe ich eher das Gefühl – klar, es gibt Ausnahmen –, dass Frauen sich nicht unbedingt mit dem identifizieren, was sie tun, sondern was sie sind.
Bei meinen Kolleginnen stelle ich zunehmend fest, dass sie ein Leben jenseits der Bühne haben. Ich denke zum Beispiel an Deborah Polaski, mit der ich mich über dieses Thema unterhalten habe. Deborah, die unterrichtet, ist der Abschied von der Oper super gelungen. Sie war nie nur die Sängerin, hat sie mir gesagt. Genau so habe ich das empfunden. Jetzt fällt dieser Teil meines Lebens weg, das hat auch was Gutes.
Erinnern Sie sich an den Moment, in dem der Gedanke vor Ihnen stand: «Ich werde zum letzten Mal auf der Bühne stehen»?
Direkt an den Moment im Sinne eines Datums nicht. Aber zu einem bestimmten Zeitpunkt gab es eine innere ...
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Opernwelt Jahrbuch 2023
Rubrik: Mythos Wagner, Seite 128
von Götz Thieme
Die Bezeichnung «französischer Mahler» hätte ihn vermutlich nicht besonders entzückt. Aber es kam auch niemand auf den Vergleich, da Mahler in Paris fast unbekannt war. Unter allen Komponisten Frankreichs hat nur einer den Wiener Kollegen rezipiert, nämlich Charles Tournemire (1870–1939). Er besorgte sich dessen Partituren und versah eigene Manuskripte mit...
Wie wohl ihr Social-Media-Account heißen würde? «@LaDivina» oder «@Mariacallas»? Oder einfach nur «@Maria»? Und wer würde ihn betreuen? Das Management, die Plattenfirma, sie selbst? Womöglich gäbe es die neuesten Roben zu sehen, Schnappschüsse von den Proben, gestellte Aufführungsfotos oder Privates mit dem aktuellen Lebensabschnittsgefährten, manchmal auch kleine...
Wir kennen diese Frau, ihr Leiden, ihre Einsamkeit. Und doch erstaunt die Drastik, mit der Barrie Kosky Katja Kabanowa in seiner Salzburger Festspiele-Inszenierung in den Vordergrund rückt und wie getrieben die Titelfigur in Janáčeks Oper ist. «Fast obsessiv rauft sich Corinne Winters (die uns, wie schon in der Genfer «Jenůfa», erneut mit ihrem enormen...
