Zweisprachig

Rostock, Tschaikowsky: Pique Dame

Opernwelt - Logo

Süß, diese Schäfchen. Wirklich entzückend, wie sie da, inmitten der glanzvoll kostümierten und choreografierten Singspiel-Schar, auf ihren blauen Rollen unschuldig weiß übers Parkett gerollt werden und dabei ganz zärtlich und dumm ausschauen – was wiederum zu der an diesem vornehmen Orte erzählten, tränenrührenden Geschichte wunderbar passt: Denn was wäre ein pastorales Intermezzo, gegeben zum Gefallen der höfischen Gesellschaft und trefflich geschmückt mit dem zauberhaften Titel «Die ehrliche Schäferin», ohne diese nied­lichen Tierchen? Nichts wäre sie.

Deshalb: Man mag zum Kitsch in der Kunst stehen, wie man will. Für das dritte Bild von Tschaikowskys Oper «Pique Dame», in dem eine Parabel das gleich mehrere Exis­tenzen vernichtende Drama für eine Viertelstunde auf lichte Ebene hievt, dient der Kitsch als dramaturgische Triebfeder, dient er gleichsam als Antiphon zu dem, was auf der Bühne verhandelt wird. Die Realität lauert dahinter. Und die sieht nicht eben rosig aus für die Protagonis­ten.
Nicht eben rosig, das ist auch die Situation des Volkstheaters Rostock. Wie andernorts auch, wird hoch droben im Norden gespart. Nur wird es gleich in einer Art und Weise getan, dass man in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2005
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Monteverdis musikalische Grammatik

Das Opernhaus in Lyon verfügt, wie andere Häuser auch, über eine jener segensreichen Einrichtungen, die angehenden Sängern Gelegenheit geben, das Repertoire zu lernen und in kleinen Rollen erste Schritte auf der Bühne zu tun. Erstmals hat nun Intendant Serge Dorny eine komplette Neuproduktion von der ersten bis zur letzten Partie nur mit Nachwuchs aus dem «Nouveau...

Zustände ihres Willens

Eigentlich ist es immer schade, wenn solch grandiose Musik ungehört bleibt. Wenn der magische Moment zwischen Kerker und dem Schlussakt der Freiheit ohne dieses rhapsodische Phantasiestück, das Ernst Bloch als eine utopische Erinnerung, eine Legende der erfüllten Hoffnung bezeichnete, auskommen muss; wenn Mahlers Eingebung, die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 in C-Dur in...

Große Gefühle

Herr Eichinger, Sie haben einmal gesagt, der Film sei Ihr Leben. Dass Sie sich auch für die Oper interessieren, war uns bisher nicht geläufig. Woher rührt dieses Interesse?
Wer sich professionell mit Film beschäftigt, muss viel von Musik verstehen. Es geht dabei ja nicht nur um den Soundtrack, sondern um ein Gefühl für Rhythmus. Jede erfolgreiche Film­erzählung hat...