Zurück zur Quelle

Janáček: Katja Kabanowa
Mainz | Staatstheater

Opernwelt - Logo

Ist Leoš Janáček ein spätromantischer Schwärmer in Verkleidung oder ein Modernist, der die Regungen seiner Protagonisten bei lebendigem Leibe seziert? Klingt sein Orchester schwelgerisch oder analytisch scharf? Einfache Antwort: beides. Aber das Einfache ist schwer zu erreichen. In Mainz gelingt es. Das Philharmonische Staatsorchester bietet den Glanz der Streicher und das irritierende Knarzen der Bässe und Fagotte, ohne diese klanglichen Widersprüche zu glätten.

Tritt noch Nadja Stefanoffs Sopran hinzu, dem übermäßiger Liebreiz nicht nachgesagt werden kann, so ergeben sich Valeurs, die wahrscheinlich Janáčeks Idealvorstellungen sehr nahe kommen.

Die Inszenierung Lydia Steiers – sie basiert auf einer 2012 in Oldenburg gezeigten Produktion – geht über das Original ein gutes Stück hinaus. Natürlich ist in Janáčeks Libretto nicht vorgesehen, dass der besoffene Dikoj die sittenstrenge Kabanicha vögelt, aber es unterstreicht die Bigotterie der Moralisten und passt nicht schlecht zur nächtlichen Wolga-Szene mit den Liebespaaren. Denn auch hier heißt die Devise: Sex statt Erotik, allerdings unter Verzicht auf die heute theaterüblichen Orgien. Eine Leinwand genügt, um die Illusionen der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Volker Tarnow

Weitere Beiträge
Aberwitzig

Solche Abende gibt es. Sie heben hoch an, schütten aus extremer (Fall-)Höhe eine Unmenge an Bildern, Assoziationen und Allusionen auf die Bühne herab, sind für sich genommen virtuos in ihrer Diskursvernarrtheit – aber das eigentliche Stück, seine Psychologie, mehr noch: die musikalische Semantik vergessen sie darüber fast vollständig. Ein solcher Abend ist die...

Kabale am Musenhof

Man kennt das aus der Wirtschaft: Der Patriarch kann sich nicht aus seiner Führungsposition lösen, hält jeden, der Ideen für die Zukunft der Firma entwickelt, für inkompetent – und treibt damit letztlich das Familienunternehmen in den Ruin. So führt sich derzeit auch Siegfried Matthus auf, der zu DDR-Zeiten hoch geschätzte Komponist, der kurz nach der Wende die...

Hochspannung

Schon während des Vorspiels zum Prolog ist hinter einem Gazevorhang eine Albtraumszene zu erkennen: Fahles Mondlicht fällt auf eine stuckverzierte Wand, im diffusen Licht zeichnet sich eine geschwungene Treppe ab, hinten ragt die Pranke eines monströsen, echsenartigen Tieres hervor. Dann ertönt aus dem Off eine helle Evangelisten-Stimme – und aus dem...