Zurück, vorwärts, überallhin
«Der Schnee fällt nicht hinauf | sondern nimmt seinen Lauf | hinab und bleibt hier liegen, | noch nie ist er gestiegen», reimte der Schweizer Schriftsteller Robert Walser in einem vierstrophigen Gedicht. Manchmal, wie jetzt am Theater Basel, fällt der Schnee aber dann doch auch von unten nach oben. Fliegt auf Diagonalen. Stürmt himmelwärts. Tanzt wild auf der Stelle, in dichten Clustern. Schweres, «süßes Weiß», das schließlich im Kreis verwirbelt. Und im Dunkel verschwindet. Blackout.
Schluss mit den Spiegelfechtereien, Schluss mit dem fadenscheinigen Spiel, «das ist vorüber», singt Schneewittchen am Ende der siebenteiligen «Schneewittchen»-Oper des Schweizer Komponisten Heinz Holliger. «Begleitet alle uns hinein», ruft sie mit körperlosem Ausdruck ihren Mitspielern zu – der Königin und dem Prinzen, dem König und dem Jäger. Doch wo liegt dieses «hinein»? Niemand weiß es. Ein letzter, aschfahler Aufschrei ist das, der bis zum dreigestrichenen d hinaufführt – zum höchsten Ton dieses raffinierten, schelmisch-ernsten, farbenflimmernden Sprach- und Klangmosaiks über ein Märchen über Märchen. Exakt zwei Oktaven tiefer hatte alles begonnen, auf einem seltsam fernen, von allen fünf Solisten ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann
Stimmiger könnte der Übergang vom Wagner- zum Gluck-Jahr kaum geraten als mit einer historisch informierten Aufnahme von Christoph Willibald Glucks «Iphigenie in Aulis» in der 1847 für das Dresdner Hoftheater entstandenen Bearbeitung von Richard Wagner. Eine absolute Novität präsentiert die von Christoph Spering geleitete Produktion freilich nicht. Wagners Fassung...
Jubilare
Die Altistin Hertha Töpper erhielt zunächst Geigen- und Gesangsunterricht, bevor sie nach einem Gesangsstudium am Landeskonservatorium ihrer Heimatstadt Graz 1945 als Ulrica im «Maskenball» an der Grazer Oper debütierte. Für die ersten Bayreuther Festspiele nach dem Krieg wurde sie 1951 u. a. als Siegrune und Floßhilde engagiert. 1952 trat Hertha Töpper...
Steckt in uns allen nicht etwas von Mephisto? Am Schluss der Aufführung nimmt jedenfalls Samuel Youn jenen Platz ein, den zu Anfang Klaus Florian Vogt besessen hat: an einem kleinen Tischchen, das ziemlich verloren auf der Bühnenschräge steht, und wieder sind auf demselben Rund zwei Tänzer aktiv, gleichsam ein dualististisches Prinzip imaginierend – als handele es...
