Zurück, vorwärts, überallhin
«Der Schnee fällt nicht hinauf | sondern nimmt seinen Lauf | hinab und bleibt hier liegen, | noch nie ist er gestiegen», reimte der Schweizer Schriftsteller Robert Walser in einem vierstrophigen Gedicht. Manchmal, wie jetzt am Theater Basel, fällt der Schnee aber dann doch auch von unten nach oben. Fliegt auf Diagonalen. Stürmt himmelwärts. Tanzt wild auf der Stelle, in dichten Clustern. Schweres, «süßes Weiß», das schließlich im Kreis verwirbelt. Und im Dunkel verschwindet. Blackout.
Schluss mit den Spiegelfechtereien, Schluss mit dem fadenscheinigen Spiel, «das ist vorüber», singt Schneewittchen am Ende der siebenteiligen «Schneewittchen»-Oper des Schweizer Komponisten Heinz Holliger. «Begleitet alle uns hinein», ruft sie mit körperlosem Ausdruck ihren Mitspielern zu – der Königin und dem Prinzen, dem König und dem Jäger. Doch wo liegt dieses «hinein»? Niemand weiß es. Ein letzter, aschfahler Aufschrei ist das, der bis zum dreigestrichenen d hinaufführt – zum höchsten Ton dieses raffinierten, schelmisch-ernsten, farbenflimmernden Sprach- und Klangmosaiks über ein Märchen über Märchen. Exakt zwei Oktaven tiefer hatte alles begonnen, auf einem seltsam fernen, von allen fünf Solisten ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann
Verdis «Aida» hatte schon immer das Zeug, Skandal und Sensation zu machen. An dem Hybrid aus kriegstrommelnden Massenszenen und intimem Kammerspiel hat sich manches Regieteam die Zähne ausgebissen. Auch Altmeister Dietrich Hilsdorf, von dem es heißt, er sei brav geworden, hat bereits vor 25 Jahren in Essen eine «Aida» abgeliefert, die zwar Kultstatus erreichte und...
Die Oper ist ein unmögliches Kunstwerk.» Mit diesem verbalen Paukenschlag hat Oscar Bie 1913 sein brillantes, noch immer lesenswertes Buch «Die Oper» eröffnet. Carolyn Abbate und Roger Parker sind derselben Meinung. Die beiden renommierten angloamerikanischen Musikwissenschaftler geben sich allerdings entschieden konservativer als der deutsche Kulturhistoriker,...
Es mag Zufall gewesen sein, dass der Besuch des Doppelabends mit Poulencs «Voix humaine» und Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» genau auf den Weltfrauen-Tag fiel. Sind doch beide Einakter exemplarisch auf das Schicksal einer in den Fesseln der Liebe ausweglos verstrickten Frau fokussiert. Die thematische Koinzidenz ist evident, wenn auch nicht unbedingt singulär....
