Musik sichtbar gemacht

Berlioz: La Damnation de Faust Berlin / Deutsche Oper

Steckt in uns allen nicht etwas von Mephisto? Am Schluss der Aufführung nimmt jedenfalls Samuel Youn jenen Platz ein, den zu Anfang Klaus Florian Vogt besessen hat: an einem kleinen Tischchen, das ziemlich verloren auf der Bühnenschräge steht, und wieder sind auf demselben Rund zwei Tänzer aktiv, gleichsam ein dualististisches Prinzip imaginierend – als handele es sich bei Faust und Méphistophélès um ein und denselben Menschen, der alle möglichen Gedankenspiele ausprobiert, um zu sehen, welche Seite die eingestandene Langeweile an ehesten zerstreut.



Damit wäre nicht nur den beiden Seelen in Fausts Brust Genüge getan – damit hätte Christian Spuck auch einen dramaturgischen Kniff, der die Sprunghaftigkeit seiner Vorlage rechtfertigt. Denn Hector Berlioz stellt in «Fausts Verdammnis» die Szenen aus Goethes «Faust» (in der Übertragung von Gérard de Nerval) ja nicht verbunden nebeneinander, sondern lässt jedes Tableau vivant zunächst mal für sich selbst wirken. Das macht das Erzählen nicht eben einfach, und deshalb versucht Spuck gar nicht erst, Zusammenhänge herzustellen. Seine Inszenierung, von Emma Ryott ganz im Stil der schwarzen Romantik ausgestattet, bleibt in großen Teilen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 30
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
Doppelt begabt

Franz Mazura – der Sänger-Schauspieler» – so lautet der Titel einer Festschrift, die zu seinem 80. Geburtstag erschien. Das trifft den Sachverhalt in doppeltem Sinne. Denn Mazura, 1924 in Salzburg geboren, war während der letzten sechs Jahrzehnte nicht nur einer der wichtigsten singenden Darsteller auf der Opernbühne, er war – und das kommt nur selten vor – Sänger...

Wahlverwandtschaften

Mehr als Scharnierwerke zwischen verebbender Romantik und heraufdämmernder Moderne sind das. Und es scheint, als habe mit Blick auf diese Phase der musikalischen Entwicklung Richard Strauss auch beim Lied (wie bei der Oper) den Repertoire-Sieg davon­getragen. Dabei erkunden die Mini-Dramen eines Franz Schreker, Alexander Zemlinsky, Othmar Schoeck oder Wilhelm...

Mit Lady Di in den Hades

Euripides’ und Glucks «Alceste» gegen den Strich gebürstet: Nicht die bekannte Geschichte einer den Tod überwindenden Liebe kommt auf die Bühne des Teatro Real; vielmehr erzählt der polnische Regisseur Krzysztof Warlikowski von der Flucht aus ­einer schwierigen Ehe in den Tod. Seine Alceste lebt die letzten Jahre der Lady Diana, Princess of Wales, nach. So wird...