Musik sichtbar gemacht
Steckt in uns allen nicht etwas von Mephisto? Am Schluss der Aufführung nimmt jedenfalls Samuel Youn jenen Platz ein, den zu Anfang Klaus Florian Vogt besessen hat: an einem kleinen Tischchen, das ziemlich verloren auf der Bühnenschräge steht, und wieder sind auf demselben Rund zwei Tänzer aktiv, gleichsam ein dualististisches Prinzip imaginierend – als handele es sich bei Faust und Méphistophélès um ein und denselben Menschen, der alle möglichen Gedankenspiele ausprobiert, um zu sehen, welche Seite die eingestandene Langeweile an ehesten zerstreut.
Damit wäre nicht nur den beiden Seelen in Fausts Brust Genüge getan – damit hätte Christian Spuck auch einen dramaturgischen Kniff, der die Sprunghaftigkeit seiner Vorlage rechtfertigt. Denn Hector Berlioz stellt in «Fausts Verdammnis» die Szenen aus Goethes «Faust» (in der Übertragung von Gérard de Nerval) ja nicht verbunden nebeneinander, sondern lässt jedes Tableau vivant zunächst mal für sich selbst wirken. Das macht das Erzählen nicht eben einfach, und deshalb versucht Spuck gar nicht erst, Zusammenhänge herzustellen. Seine Inszenierung, von Emma Ryott ganz im Stil der schwarzen Romantik ausgestattet, bleibt in großen Teilen ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 30
von Hartmut Regitz
Es mag Zufall gewesen sein, dass der Besuch des Doppelabends mit Poulencs «Voix humaine» und Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» genau auf den Weltfrauen-Tag fiel. Sind doch beide Einakter exemplarisch auf das Schicksal einer in den Fesseln der Liebe ausweglos verstrickten Frau fokussiert. Die thematische Koinzidenz ist evident, wenn auch nicht unbedingt singulär....
Kennen Sie das Gefühl? Wenn man viel zu spät und stocknüchtern auf eine Party kommt, auf der alle schon völlig blau sind? Befremden, weil sich alle so unsäglich benehmen. Scham, denn wer nicht passt, sind Sie, nicht die anderen. Ein bisschen Neid, weil es letztlich doch schöner wäre mitzulachen, als dumm danebenzustehen. Falls ja, können Sie sich das Verhältnis...
In den Künsten, zumal den darstellenden, gibt es Menschen, die man mehr oder weniger sieht. Primär den Stars ist Öffentlichkeit vergönnt. Doch die im Dunkeln – Autoren, Komponisten, Regisseure, Choreografen, Ausstatter, Dramaturgen –, die sieht man nicht. Dabei sind Interpreten auf Institutionen angewiesen, Kulturapparate, die nicht nur technisch funktionieren,...
