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Unter einer gleißenden Sonntagmorgen-Sonne strömt die internationale Gemeinde der Rossiniani erwartungsfroh der Trinkhalle im Schwarzwälder Kurort Bad Wildbad zu. Als die letzten Akkorde der «Tell»-Apotheose in mächtigem Crescendo verrauscht sind, scheint der Vollmond über dem Enz-Tal. Dass man da elf Stunden mit Rossinis opus ultimum verbracht hatte, war nicht nur dem Ehrgeiz des vor 25 Jahren gegründeten Rossini-Festivals geschuldet, fast jeden vollendeten Takt des Vermächtniswerks an einem Tag aufzuführen.
Auch die Pausenregelung fiel mit drei Stunden zwischen Vorkonzert und Oper sowie zwei Stunden zwischen zweitem und drittem Akt festspielmäßig aus.
Das Bild, das man von dem Stück erhielt, war allerdings nicht so grundstürzend, wie die abstruse Bearbeitungsgeschichte und die 2050-seitige Kritische Ausgabe des mystifizierten Werks erwarten ließen. Kein Wunder. Der «Ur-Tell» liegt seit 1829 vor. Die Partitur wurde schon vor der Uraufführung gestochen – mit Ausnahme der Jemmy-Arie und ohne die während der Proben vorgenommenen Striche und Varianten. Nur Lesefehler und editorische Willkür führten dazu, dass eine Reinigung des Textes nötig wurde. So unterscheidet sich die erste ...
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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 30
von Boris Kehrmann
Es gibt ein paar Dinge, die machen diese Aktion richtig hügelheimelig. Das Bratwurstdoppel in der Semmel. Das örtliche Weißbier. Die Temperaturen, die sich in der Oberfrankenhalle der Dreißigermarke nähern. Kurz vor der Prestigeanstrengung mit dem neuen «Ring» stemmen die Bayreuther in Kooperation mit der Oper Leipzig ein Vor-Festspiel. Dort, wo sonst Handballer,...
54. Jahrgang, Nr 9/10
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag - Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752259
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61, 10719 Berlin
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der 14.08.2013
Redaktion:
Stephan Mösch (V. i. S. d. P.)
Albrecht...
Es gibt ein Nachspiel. Da steht der Regisseur Frank Castorf im Buhgewitter vor dem Vorhang des Bayreuther Festspielhauses und steht und steht. Er will einfach nicht abgehen, schaut auf die Uhr, schaut auf die wütende Menge, zeigt ihr den Vogel. Will er etwas sagen? Das Publikum will es jedenfalls nicht hören. Immerhin hatte Castorf sechzehn Stunden Zeit, alles zum...
