Zum Sterben schön

Spektakuläre Neuaufnahmen: Monteverdis «L’Orfeo» mit Prégardien, Glucks «Orfeo ed Euridice» mit Orliński

Opernwelt - Logo

Weder hat Claudio Monteverdi 1607 mit seiner Favola in musica «L’Orfeo» die Oper erfunden noch Christoph Willibald Gluck 1762 mit der Azione teatrale per musica «Orfeo ed Euridice» allein die Reform dieser Kunstform begründet. Dass beides dezidiert höfische Werke sind, besagt schon die Gattungsbezeichnung «Pastoraldrama». Dennoch besteht ihr Ausnahmerang zu Recht, allein schon deshalb, weil – im Falle des italienischen Barock die absolute Ausnahme – hier wie dort autorisierte Partitur-drucke vorliegen.

Ein Blick auf die Zahl der vorhandenen Einspielungen bezeugt, dass der frühbarocke Monteverdi dem Klassizisten Gluck an Popularität längst den Rang abgelaufen hat. Dennoch sind die nun fast zeitgleich erschienenen Neuaufnahmen eine Bereicherung der Diskographie, weil sie interpretatorisch wegweisend sind. Den Luxus einer Studio-Einspielung von Glucks «Orfeo» verdanken wir dem polnischen Countertenor Jakub Józef Orliński, dessen Name auf dem Cover den des Komponisten überragt. Als Co-Direktor und Co-Produzent konnte Orliński sich seine Mitstreiter aussuchen – eine Lizenz, die es ihm ermöglichte, seine Vision des Stücks kompromisslos zu verwirklichen.

Mit dem feinlasierten Timbre ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 28
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Im ewigen Frühling

Olivier Messiaens drei Liederzyklen sind selten zu hören und gehören alle zum Frühwerk, das vor seiner Wende zum Serialismus entstand. Er verabschiedete sich dabei von Einflüssen des Impressionismus und des Neoklassizismus und fand zu einer ganz eigenen musikalischen Sprache. Zwei der Zyklen hat die kanadische Sopranistin Barbara Hannigan, die ihre künstlerischen...

Kleines Dorf, große Oper

Mehr norwegische Geschichte rund um ein kleines Dorf geht wohl kaum: Die Kirche auf dem unfernen Hügel etwa war eine der «Valgkirken» (Wahlkirchen), in der 1814 die erste Wahlrunde zum norwegischen Reichstag stattfand; schon im 9. Jahrhundert brach auf dem Eis des Sees Randsfjorden Hálvdan der Schwarze samt Gefolge tödlich auf dem Eis ein, der Vater des ersten...

Vorschau und Impressum 8/24

Weltenerfinder
Er zählt, neben Wolfgang Rihm, Helmut Lachenmann und dem Mitte März verstorbenen Aribert Reimann, zur Crème de la Crème der bundesdeutschen (Opern)Komponisten. Werke wie «Orest», «La grande magia», «Eurydice ...» und «Septembersonate» sind Meilensteine des zeitgenössischen Musiktheaters. Ende Oktober wird Manfred Trojahn 75 Jahre alt. Anlass genug...