Zum Raum wird hier das Spiel
Die Leistung von Gerard Mortier war nicht nur die Etablierung einer neuen Opernästhetik. Er verstand es auch, für seine Projekte Ressourcen zu erschließen und Menschen zu motivieren. Er brachte Kunst an Orte, die schon verloren oder noch zu entdecken waren: an das weiland arg angestaubte Brüsseler Opernhaus, an die in Repräsentationskultur erstickten Festspiele von Salzburg, ins kulturell provinzielle Ruhrgebiet oder – nach einem eher glücklosen Pariser Intermezzo – an das Königliche Opernhaus von Madrid.
Selbst wenn sich dabei das Personal (Herbert Wernicke, Peter Sellars, Christoph Marthaler, Krzysztof Warlikowski, Sylvain Cambreling) als Markenzeichen und «Mortier-Branding» bis zuletzt wiederholte – in all seinen Häusern gelang Mortier doch eine Kolonialisierung mit Moderne im großen Stil, die Folgen hatte.
Diese Folgen lassen sich auch an seinem letzten Wirkungsort, dem Teatro Real in Madrid, nicht leugnen, von dem man Mortier im Angesicht seines nahenden Krebstodes wie einen lästigen Aussätzigen verscheuchte und durch einen weniger ansteckenden Nachfolger (Joan Matabosch, den langjährigen Operndirektor des Liceu in Barcelona) ersetzte. Allein die laufende Saison, die mit ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Michael Struck-Schloen
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Halb zog er sie, halb sank sie hin: Richard Wagner und Sasha Waltz – dieses Gespann...
Der Lustschrei aus dem Auditorium gleich nach dem letzten Akkord des «Don Giovanni» erinnert an die Zuschauer-Hysterie zu Zeiten Karajans, und obwohl Nikolaus Harnoncourt einmal als «Un-Karajan» bezeichnet wurde, scheint vieles nicht unähnlich: ekstatische Publikumsreaktionen, der Medien-Hype und die -Verwertung. Als Ersatz für die wegen des unpässlichen Regisseurs...
