Gestaute Zeit
Na bitte, geht doch! Zwar nicht auf dem Hügel, wo es nach wie vor nur den zehn kanonisierten Musikdramen Wagners gilt. Auch nicht im frisch restaurierten Markgräflichen Opernhaus, dessen Nutzung der Denkmalschutz strikt reglementiert. Sondern in einem als Kulturbühne wiederbelebten alten Kinosaal («Reichshof») ein paar Schritte neben dem alten Schloss im Zentrum der Stadt.
Dort also stieg am Vorabend der «Lohengrin»-Premiere die Uraufführung einer Märchen-«Oper» des Grazer Komponisten Klaus Lang: «Der verschwundene Hochzeiter» – ein Auftragswerk der Festspiele für das erstmals 2017 veranstaltete Begleitprogramm «Diskurs Bayreuth». Finanziert wurde das exakt 5373 Sekunden währende Stück von der Ernst von Siemens Musikstiftung.
Lang verarbeitet darin die Geschichte eines jungen Mannes, der kurz nach seiner eigenen Hochzeit zum Fest eines fremden Bräutigams aufbricht. Auf dem Weg beobachtet er seltsame Dinge: magere Kühe auf saftiger Weide, fette Kühe auf kargem Grund, ein verschlossenes Häuschen voller Bienen. Schließlich erreicht er die Feier des Fremden. Der bedeutet ihm, er dürfe nicht länger tanzen, als die Musik spiele. Der Hochzeiter hält sich nicht an das Gebot und erfährt, ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 15
von Albrecht Thiemann
Die Stadt ist fast so alt wie die «Oper», das aus Europa importierte unmögliche Kunstwerk: 1607 gegründet, erklärten die Spanier Santa Fe schon 1610 zum Verwaltungszentrum der Kolonie Nuevo Mexico – zehn Jahre bevor die ersten Siedler aus England an der Ostküste, in Plymouth Rock landeten. Später, im Zeitalter der großen Trecks gen Westen, machten unzählige...
Es könnte ein Rekordjahr werden. Das Endergebnis stand bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe zwar noch aus, aber es würde uns nicht überraschen, wenn das tropische Langzeithoch im Juli und August auch die Besucherzahlen in unerreichte Höhen getrieben hätte. Spielt das Wetter mit, ist die Bregenzer Seebühne quasi ein Selbstläufer. Und mit «Carmen», der dritten...
Ja, diesem Anfang wohnt ein Zauber inne. Kraftvoll, zugleich behutsam, kurz: raumöffnend die ersten Akkorde der «Zauberflöten»-Ouvertüre. Hier vibratolose Streicher, dort schmetternde Naturtrompeten, deren differenziertes Spiel nicht eine Sekunde die Balance gefährdet. Und kaum hat das fugenähnliche Allegro begonnen, bringt Yannick Nézet-Séguin das Orchester zum...
