Zu viel Druck auf der Tube

Power, aber wenig Stil: Bellinis «Norma» aus Cluj

Opernwelt - Logo

Das Drama beginnt vorschriftsgemäß. Maestoso e deciso wünschte sich Bellini den Beginn der Ouvertüre zu seiner «Norma», majestätisch und entschieden. Und genauso gehen die Musikerinnen und Musiker des Transylvania State Philharmonic Orchestra das g-Moll-Allegro an. Am Pult steht mit Pier Giorgio Morandi allerdings auch ein Experte in Sachen Belcanto, der weiß, wie man die Konturen dieser Musik wirksam zu schärfen weiß.

Präzise, pointiert und gefüllt mit der nötigen Italianità ist das Spiel des Orchesters unter seiner Leitung auch noch im G-Dur-Abschnitt, wo ein Funken Licht (vor allem bei den Flöten) ins Dunkel dringt und zarttönende Hoffnung aufglimmt, wenn die Musik sich über As-Dur und B-Dur zum flott-federnden Tanz hinwendet, um schließlich in flammendem G-Dur zu enden. Das Feld ist bereitet für den Kampf der Kulturen.

Nur braucht es dazu eben auch herausragende Sängerinnen und Sänger; Bellinis Partitur ist voller Tücken, sie erfordert Leichtigkeit ebenso wie eine strahlende, dramatisch aufgeworfene Höhe und ein erkleckliches Stilbewusstsein. Und gerade über Letzteres gebieten in dieser Studioproduktion aus dem Radio Cluj nur wenige. Melody Moore zum Beispiel, die der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2025
Rubrik: Medien, Seite 33
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Abgesang

Das Kunstfest Weimar hat sich unter der Leitung von Rolf C. Hemke seit 2019 zu einem gesellschaftspolitischen Seismographen entwickelt. Während des Festivals für zeitgenössische Kunst schlägt das imaginäre Messinstrument angesichts der empathisch durchreflektierten, prozesshaften Programmpunkte drei Wochen lang weit aus. Hemke wird Weimar allerdings aufgrund...

Ein Avantgardist ist er nicht

Der Satz hat Format und einige dialektische Würze. «The past is never dead. It’s not even past». So steht es in William Faulkners 1951 erschienenem Roman «Requiem for a Nun». Auch Detlev Glanert und der Librettist Reinhard Palm stellen diese philosophisch klugen Worte in deutscher Übersetzung («das Vergangene ist niemals tot, es ist nicht einmal vergangen») dem...

Großes Klangkino

Das Schicksal ist zur Marke verkommen: Auf den Shirts von Manon Lescaut und Renato Des Grieux prangt das Wort «Destino». Will sagen: Bei der Liebe auf den ersten Blick richtet sich das Auge nicht mehr auf den Körper, sondern aufs Design. Stilistisch passt es zusammen, die Erotik wird sich schon einstellen. Dass es dann doch nicht gut geht, liegt vor allem am...