Zu schön, um wahr zu sein
Über dem Jugendstilportal des Gießener Stadttheaters ist bis heute in Goldbuchstaben festgehalten, wofür die Bauherren ihr Geld ausgaben: «Ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns». Hundert Jahre ist das Haus alt und inmitten der im Zweiten Weltkrieg völlig zerbombten Stadt ein architektonisches Solitär. Die Oper, die Intendantin Catherine Miville zum Jubiläum angesetzt hat, zeigt allerdings, dass man es weder mit dem Denkmal noch mit dem bürgerlichen Gemeinsinn allzu wörtlich nehmen muss. Und das ist gut so.
«Strandräuber» von Ethel Smyth ist ein Stück über antibürgerliche Anarchie. Es geht um eine Dorfgemeinschaft an Cornwalls Küste, die mit falschen Leuchtsignalen dafür sorgt, dass sturmgefährdete Schiffe an den Klippen der Scilly-Inseln zerschellen. Was an Land gespült wird, kann, so will es das Recht und eine bigotte Religiosität, eingesackt werden. Sollten lebende Menschen dabei sein, räumt man aus dem Weg, was das Meer nicht geschafft hat. «Die Schiffe sind unser Brot», davon ist der Dorfpriester überzeugt. Das Stück, uraufgeführt 1906 in Leipzig, war in England nie ganz vergessen. Dirigierstars wie Thomas Beecham, John Barbirolli oder Bruno Walter haben sich dafür eingesetzt. ...
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Händels erstes Oratorium, Anfang 1707 während seines Italienaufenthaltes entstanden, hat in jüngster Zeit einige szenische Umsetzungen erfahren, obwohl der Text des Kardinals Benedetto Pamphili keinerlei theatralische Situationen enthält. Es handelt sich vielmehr um einen theologischen Traktat, der im Wortwechsel auf vier allegorische Figuren verteilt ist: Die...
Simon Boccanegra» gehört zu Verdis Schmerzenskindern. Die Uraufführung in Venedig 1857 war, in des Komponisten eigenen Worten, ein «Fiasko», und die Zweitfassung wurde 1881 in Mailand kaum besser aufgenommen. Die Zeitgenossen stießen sich an der wirren Handlung und am pessimistischen Ton der Musik.
Was Verdi an der Textvorlage des spanischen Dramatikers García...
Verliebt habe sie sich in das Magdeburger Ensemble, strahlt Vera Nemirova im Foyer. Deshalb sei sie zur dritten Vorstellung extra noch einmal für einen Grillabend angereist. Glückliches Magdeburg.
Denn Nemirovas Chor- und Personenregie stimmt. Der Politbüro-Chic ihres Bühnenbildes (von Tom Musch) gibt dem Babylonier-Schinken den kühlen Charme einer sozialen...
