Zirkusreif

Strauss: Der Rosenkavalier
BERLIN | STAATSOPER

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Eine Wiener Fotografie zeigt den achtjährigen André Heller im Kostüm des Rosenkavaliers, und als Internatszögling ist er dann immer wieder zu Hofmannsthals Fuchsschlössl in Rodaun gelaufen und hat den «Heiligen Hugo» um Rettung aus der jesuitischen Folterkammer gebeten. Mag sein, dass der Geist des Dichters ihn erhörte – doch mit Einfällen, wie man seine bekannteste Komödie für Musik inszenieren könnte, zeigte er sich knauserig. Heller hat lange davon geträumt, dieses Stück einmal auf die Bühne bringen zu dürfen, jetzt erfüllte ihm die Berliner Staatsoper diesen Traum.

Knauserig ist man dort nicht. Eine angenehm unterkühlte Camilla Nylund als Marschallin, eine mit sensationell konturiertem Vibrato ausgestattete Michèle Losier (Octavian), die herrlich warm und elegant intonierende Nadine Sierra (Sophie) und Günther Groissböck in seiner Paraderolle als Ochs, den er vom Image des liebenswert rumpelnden Falstaff befreit – diese Besetzung kann sich hören lassen. Zubin Mehta fällt dagegen ein wenig ab, neigt zu schleppenden Tempi, veranlasst das Orchester nur selten, mehr zu liefern als makellose Routine.

Auch die Ausstattung ist weiß Gott nicht billig. Und der erstmals eine große Oper ...

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Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Volker Tarnow

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