Tuckernder Grusel

Erstmals auf CD: Philip Glass’ Poe-Oper «The Fall of the House of Usher»

«O man müsst’s sehen, man müsst’s greifen können …» Nicht unbedingt mit Fäusten, wie Wozzeck es gegenüber Marie vorbringt, sondern eher mit gespannten Sinnen. Aber es geht hier ja auch nicht um Bergs Oper, sondern um Philip Glass’ «The Fall of the House of Usher». Von deren Aufführung durch die Wolf Trap Opera aus Washington DC erhalte das Ohr «bloß 40 Prozent des Genusses», schrieb die «Washington Post» in ihrer Premierenkritik. Dennoch erscheint die vorliegende Welt-Ersteinspielung dieser Oper zunächst auf der Hörbühne.

Ob noch eine DVD folgt?

Glass’ erstes Bühnenwerk «Einstein on the Beach» war ein bewusster Affront gegen den traditionellen Werk- und Kunstbegriff – eine Einladung zu frei assoziierender Interpretation. Dabei hatte die Laufbahn des 1937 in New York geborenen Amerikaners mit Kompositionsstudien bei Darius Milhaud und Nadia Boulanger begonnen. Doch die Begegnung mit dem indischen Musiker Ravi Shankar 1965 wurde zum Schlüsselereignis für Glass: Er zog sämtliche bis dahin komponierten Werke zurück und wurde zu einem Gründervater der so genannten «Minimal Music» – eine Bezeichnung, die er im Übrigen ablehnt. Zeitliche Abläufe schildert Glass auf ganz eigene, surreale ...

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Opernwelt April 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Gerhard Persché