Zirkus mit Sonnenkönig
Es war der Auftrag seines Lebens. In Frankreich wollte Louis XIV. heiraten – aus politischen Gründen. Und er, Francesco Cavalli, Komponist und Impresario aus Venedig, sollte die Musik für das Hochzeitsfest schreiben. Die Strippen zog Kardinal Jules Mazarin, jener von Italien nach Paris ausgewanderte Diplomat und Gottesmann, der damals, Mitte des 17. Jahrhunderts, am Hof von Versailles die Macht ausübte. Mazarin hatte auch die Braut für den 22-jährigen Roi Soleil ausgewählt – Maria Theresia von Spanien. Die Vermählung mit der Tochter König Philipps IV.
, so das Kalkül, würde endlich Ruhe an der Pyrenäengrenze schaffen und die Grande Nation endgültig zur Nummer eins im absolutistisch regierten Europa machen. Und das sollte natürlich mit Prunk und Gloria gefeiert werden. Kein Wunder, dass Cavalli sofort die Arbeit aufnahm.
Als das junge Paar am 26. August 1660 vor den Altar und schließlich vor das Volk trat, um den Jubel der Untertanen entgegenzunehmen, schauten rund 100 000 Menschen dem Umzug zu, der durch eigens errichtete Tore und Triumphbögen führte, auf denen Figuren aus der antiken Mythologie vom Ruhm des Sonnenkönigs kündeten. Als Herkules mit dem Ölzweig ward Ludwig da ...
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Ein kahl rasierter Schädel. Die Stirn leuchtet kalt. Stechende Augen, schwarz gerändert. Ein Blick, der töten könnte. Hinten lodert es goldgelb. Wo ich bin, suggeriert das angeschnittene Gesicht auf dem Programmheft des Staatstheaters Braunschweig, da brennt die Luft. Wer mir zu nahe kommt, dem kocht das Blut in den Adern über. Cardillac ist in Klaus Weises (aus...
