Zirkus mit Sonnenkönig
Es war der Auftrag seines Lebens. In Frankreich wollte Louis XIV. heiraten – aus politischen Gründen. Und er, Francesco Cavalli, Komponist und Impresario aus Venedig, sollte die Musik für das Hochzeitsfest schreiben. Die Strippen zog Kardinal Jules Mazarin, jener von Italien nach Paris ausgewanderte Diplomat und Gottesmann, der damals, Mitte des 17. Jahrhunderts, am Hof von Versailles die Macht ausübte. Mazarin hatte auch die Braut für den 22-jährigen Roi Soleil ausgewählt – Maria Theresia von Spanien. Die Vermählung mit der Tochter König Philipps IV.
, so das Kalkül, würde endlich Ruhe an der Pyrenäengrenze schaffen und die Grande Nation endgültig zur Nummer eins im absolutistisch regierten Europa machen. Und das sollte natürlich mit Prunk und Gloria gefeiert werden. Kein Wunder, dass Cavalli sofort die Arbeit aufnahm.
Als das junge Paar am 26. August 1660 vor den Altar und schließlich vor das Volk trat, um den Jubel der Untertanen entgegenzunehmen, schauten rund 100 000 Menschen dem Umzug zu, der durch eigens errichtete Tore und Triumphbögen führte, auf denen Figuren aus der antiken Mythologie vom Ruhm des Sonnenkönigs kündeten. Als Herkules mit dem Ölzweig ward Ludwig da ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der amerikanische Orientalist Edward W. Said hat in seinem Buch «Kultur und Imperialismus» Verdis «Aida» unterstellt, dass sie «nicht so sehr ein Werk über als vielmehr der imperialen Herrschaft» sei. Genau das Gegenteil trifft zu. Dass Verdis populärste Oper sich auf kritische Weise mit dem impliziten Imperialismus des Sujets auseinandersetzt, ist spätestens seit...
Es ist nicht überliefert, ob Giuseppe Verdi Otto Nicolais Oper «Die lustigen Weiber von Windsor» gekannt hat, die zur Zeit der Arbeit am «Falstaff» erstmalig auf italienischen Spielplänen erschien. Dennoch sind die Wege der beiden Komponisten auf merkwürdige Weise miteinander verbunden. Beide begannen ihre Laufbahn als Opernkomponisten im gleichen Jahr 1839 in...
Erst vor ein paar Monaten war Tschaikowskys «Pique Dame» als Gastspiel des Petersburger Mariinsky-Theaters in der Deutschen Oper zu sehen; auch die Produktion der Staatsoper unter Daniel Barenboim mit Plácido Domingo liegt noch nicht lange zurück. Die Komische Oper musste also triftige Gründe haben, dieses Stück in einer neuen deutschen Textfassung von Bettina...
