Herbstfarben
Der Starkult, den die Klassikindustrie seit Jahren immer unbedenklicher pflegt, kreist vor allem um Glanz und Glamour. Für Sängerinnen bedeutet dies: Nur wer sich im Model-Look vermarkten lässt, nur wer im Fernsehen oder in der Werbung auftaucht, spielt ganz oben mit. Doch wo viel Licht (und noch mehr Geld) ist, gibt es bekanntlich auch viel Schatten.
Die zur Gloriole verklärte Maske der Perfektion entpuppt sich manchmal als Fluch – zum Beispiel dann, wenn das vokale Profil einer Künstlerin hinter dem fabrizierten PR-Image zu verschwinden droht, das ihr die Aufmerksamkeit der TV-Öffentlichkeit sichern soll. Der Blick ist dann so festgelegt wie das Ohr, man sieht und hört nur noch, was ins geschminkte Bild passt.
Zu den Diven, die dieses profitable Spiel mitspielen, gehört zweifellos Renée Fleming. Doch an der amerikanischen Sopranistin kann man auch exemplarisch ablesen, wie stark die Wahrnehmung sängerischer Leistungen auf der Bühne mitunter durch Vor-Urteile beeinflusst ist. Darauf deutet nicht zuletzt manche kritische Reaktion auf ihren jüngsten Live-Auftritt als Marschallin im Baden-Badener Festspielhaus. Den Ruf der beautiful voice, die sich an der Droge eines Schönklangs ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der kaiserliche Statthalter in Mantua, Landgraf Philipp von Hessen, kündigte zu Weihnachten 1718 seine Vermählung mit einer fürstlichen Witwe aus der benachbarten Toskana an. Sein Kapellmeister Antonio Vivaldi musste rasch ein repräsentatives Werk zu Wege bringen. Angeblich in nur fünf Tagen legte er «Tito Manlio» vor. Aus der Hochzeit des «Principe Darmstadt»...
Als Christoph Marthaler 1994 in Frankfurt Debussys «Pelléas et Mélisande» inszenierte, meinte er zu Recht, Natur liege so tief in dieser Musik, dass man sie nicht verdoppelnd auf die Bühne bringen sollte, das Stück würde sich sonst auflösen. Daher reagiert man zunächst skeptisch, wenn zu Beginn von Laurent Pellys Produktion des Werks am Theater an der Wien genau...
Vielleicht ist die freche Münchner Neuinszenierung von Pfitzners «Palestrina» tatsächlich das Beste, was man dem Stück heute angedeihen lassen kann: die pop-ästhetische Aushebelung frommer Demutshaltung und historischer Einfühlung mit Hilfe von Geometrie und Ironie. Das Ganze lebt von konstruktivistischen Bühnenschnitten und absurdem Popanz in knalligem Pink und...
