Herbstfarben
Der Starkult, den die Klassikindustrie seit Jahren immer unbedenklicher pflegt, kreist vor allem um Glanz und Glamour. Für Sängerinnen bedeutet dies: Nur wer sich im Model-Look vermarkten lässt, nur wer im Fernsehen oder in der Werbung auftaucht, spielt ganz oben mit. Doch wo viel Licht (und noch mehr Geld) ist, gibt es bekanntlich auch viel Schatten.
Die zur Gloriole verklärte Maske der Perfektion entpuppt sich manchmal als Fluch – zum Beispiel dann, wenn das vokale Profil einer Künstlerin hinter dem fabrizierten PR-Image zu verschwinden droht, das ihr die Aufmerksamkeit der TV-Öffentlichkeit sichern soll. Der Blick ist dann so festgelegt wie das Ohr, man sieht und hört nur noch, was ins geschminkte Bild passt.
Zu den Diven, die dieses profitable Spiel mitspielen, gehört zweifellos Renée Fleming. Doch an der amerikanischen Sopranistin kann man auch exemplarisch ablesen, wie stark die Wahrnehmung sängerischer Leistungen auf der Bühne mitunter durch Vor-Urteile beeinflusst ist. Darauf deutet nicht zuletzt manche kritische Reaktion auf ihren jüngsten Live-Auftritt als Marschallin im Baden-Badener Festspielhaus. Den Ruf der beautiful voice, die sich an der Droge eines Schönklangs ...
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Seit ihrer Entdeckung vor gut einem Jahrzehnt hat Zemlinskys Oper «Der König Kandaules» in der Rekonstruktion von Anthony Beaumont eine bemerkenswerte Karriere an überwiegend großen Häusern gemacht. Das experimentierfreudige Pfalztheater in Kaiserslautern demonstriert nun, dass auch ein kleines Haus sein Repertoire mit dem späten Meisterwerk des Wiener Komponisten...
Bis vor wenigen Jahren war sie noch auf der Bühne aktiv, und wer weiß, ob sie, die wir anlässlich ihres 75. Geburtstags als «komödiantisches Urgestein» gewürdigt haben, nicht noch einmal dorthin zurückkehrt. Mit dem Theater ist sie aufgewachsen, im Theater hat sie mehr als ein halbes Jahrhundert gewirkt. Dabei hat die Stimme in 57 Bühnenjahren diverse...
Christof Loys Göteborger Inszenierung der «Arabella» (siehe OW 2/2007) hat Frankfurt erreicht und, dank einer sorgfältigen Einstudierung mit komplett neuer Besetzung, nichts von ihrem verstörenden Glanz eingebüßt. Trotz Strauss’ handwerklich gediegener, manchmal allerdings in seichten Operettengewässern fischender Musik bleibt kein schaler Nachgeschmack. Herbert...
