Editorial Dezember 2018
Erkenntnis fällt nicht vom Himmel. Und gilt selten für die Ewigkeit. Weil die Dinge im Fluss sind. Wer verstehen will, sollte Kopf und Sinne in Bewegung setzen, sich öffnen für das Unvertraute, Unvorhersehbare. Und vor allem: das Gespräch suchen, fragend, forschend, ohne Scheuklappen. Zuhören, genau, geduldig, wägend – das ist eine Kunst, die wir zu verlernen drohen, wenn sie nicht immer wieder neu geübt wird. Wahrheit entsteht im Dialog, das wussten schon die antiken Sokratiker. Im kontinuierlichen Austausch von Argumenten und Erfahrungen, auf Augenhöhe, dem Anderen zugewandt.
Das ist anstrengend – und zugleich beglückend. Weil sich, im besten Fall, in diesem Prozess unser Blick auf die Welt schärft, wir Gedanken, Emotionen, Erklärungen wahrnehmen, die vorher ausgeblendet waren.
Musiktheater ist Dialogkunst, komplexe Kommunikation. Es steht und fällt mit der Qualität der Verständigung. Ohne präzise, zugleich flexible Abstimmung zwischen Solisten und Musikern, Regie und Technik, Leitung und Verwaltung liefe jede Aufführung aus dem Ruder. Und ohne ein engagiertes, Oper als Diskurs über die großen Lebensfragen begreifendes Publikum liefe alle Bemühung ins Leere. Das erfreulich ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten & Albrecht Thiemann
Das Stück hat Hochkonjunktur, zumindest in der Schweiz. An drei Bühnen des Landes mit unterschiedlicher Tradition und Kapazität kam Mozarts «Così fan tutte» heraus. Mit der Opéra de Lausanne wandte sich ein kleines, ungemein regsames Haus dem Stück zu. Das Vierspartentheater in Bern, das konsequent auf den Ensemblegedanken setzt, sorgte mit seiner Saisoneröffnung...
Im frisch renovierten Nationalmuseum von Stockholm kann man der Konstruktion nationaler Identität nachgehen: Wie Wikingerfolklore Keramik für die Pariser Weltausstellung 1889 inspirierte, einfach weil sich das Ausland etwas mit Wiedererkennungswert wünschte. Oder wie Anders Zorn seinen «Mittsommertanz» von 1897, jenen Inbegriff schwedischer Volksnatur, aufwendig...
Wenn der Vorhang aufgeht, dann muss es krachen», sagt Anno Schreier in einem Radiointerview. Der Karlsruher Komponist (Jahrgang 1979) setzt nicht auf experimentelle Spieltechniken, elektronische Verfremdungen oder Geräusche, er arbeitet mit einer eher traditionellen Tonsprache, in der auch Dur-Akkorde und weit gespannte Kantilenen vorkommen dürfen. Ähnlich wie...
