Zeitloser Abgesang
Ein Theaterkönig stirbt. Und mit ihm die Kunst des Hörens, das mehr ist als das Horchen. Vom Lauschangriff ist allerdings nicht die Rede, schließlich ist Luciano Berios Musiktheater «Un re in ascolto» gute 30 Jahre alt. In Kassel erweist er sich als erstaunlich lebendig. Das liegt vielleicht daran, dass diese azione musicale in due parti bei ihrer Uraufführung 1984 in Salzburg zwar ein Abgesang auf die Oper war – als Kunstform, als Irrenhaus und als eine Welt, die sich manchmal selbst genug ist –, dass dieses Schlusswort aber zeitlos zu sein scheint.
Damit auch alle begreifen, wie sehr sich das Musiktheater hier um sich selbst dreht, hat Ausstatter Mathis Neidhardt im Staatstheater Kassel eben dieses auf die Bühne gebracht. Im gespiegelten Foyer zum ersten Rang jongliert Regisseur Paul Esterhazy mit allen Bällen, die er greifen kann. Zweierlei hat er dazuerfunden: zum einen den vermeintlichen Zuschauer, der als Statist einspringen soll, dann aber alle Hände voll zu tun hat (der hochmusikalische Schauspieler Gunnar Seidel macht das eindrucksvoll). Zum anderen ist der Tod des Protagonisten Prospero (mit Nachdruck: Marc-Olivier Oetterli) hier ein Selbstmord, bei dem die aufgewickelte ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Rainer Wagner
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