Zeitenwende

Strauss: Salome
Straßburg | Opéra national du Rhin

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Die Straßburger «Salome» hat noch gar nicht angefangen, schon sind wir mittendrin. Während das Publikum sich in der Opéra national du Rhin einfindet, streichen drei sehenswerte Grazien in geschlitzter Abendrobe einen Jüngling im Slip mit tiefroter Farbe an. Tiefrot sind auch die gewaltigen Flügel, die er umgehängt bekommt, mit denen er später, des knappen Bekleidungsstücks entledigt, durch die Handlung streift: als Todesengel, dessen Rauschen Jochanaan im Palast des Herodes wahrnehmen wird.

Er befindet sich in bester Gesellschaft.

Sowohl die Christus-Skulptur, ein Gekreuzigter ohne Kreuz, als auch der (textgetreu auf silbernem Tablett servierte) Jochanaan werden abendfüllend  fliegend durchs Geschehen transportiert. Mit beiden Flugobjekten unterhält Salome intensiven Kontakt. Es scheint, als spuke in den Hirnen der «Salome»-Equipe der Begriff «Zeitenwende» umher. Das Juden-Quintett ist nicht ohne Bedacht durch fünf aufgeregt streitende Herren ersetzt, die große Religionen und Konfessionen repräsentieren. Jochanaan lässt ebenfalls einen Hang zur Gewaltbereitschaft erkennen. Auch wo Einwände denkbar sind: Olivier Pys «Salome»-Variante ist bilderreich und vom Libretto gedeckt. Vor ...

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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Heinz W. Koch

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