Zeit zum Umdenken

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Während dieser Zeit der Pandemie habe ich, wie einige andere darstellende Künstler, verschiedene Phasen durchlaufen. Zunächst eine tatenlose Depression darüber, plötzlich aus dem künstlerischen Leben gerissen zu sein, über all die abgesagten, metikulös vorbereiteten, zum Teil fertiggeprobten Projekte. Einige sind unwiederbringlich verloren, andere auf unbestimmte Zeit verschoben. Manchmal auf Termine, die schon blockiert sind. Und ständig ist da diese Ungewissheit, ob bestehende Verträge ihre Gültigkeit behalten, auch in Zukunft noch gelten.

Dann durchlief ich eine Phase der Hyperaktivität mit Streams, Balkonkonzerten für meine Nachbarn, Interviews, Posts in den sozialen Medien, ich habe neue Programme geplant, zwei Alben eingespielt, eine dritte Aufnahme steht kurz bevor. Schließlich begann ich zu verstehen, dass die Zeit des geringeren Drucks heilsam für die Stimme, ja das gesamte Wohlbefinden sein kann.

In Berlin, meiner Heimatstadt, konnte man ja im Freien einiges unternehmen, aufs Land fahren, einzelne Freunde zu intensiven Gesprächen treffen, bei einem Spaziergang auf Distanz. Man konnte sich auch Essen oder Kaffee selbst besorgen, zum Mitnehmen. Dafür bin ich sehr dankbar. ...

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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 38
von Anna Prohaska

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