Zauberhaft entzaubernd
Mannheim wird ‹Ring›-Hauptstadt» – vollmundig spricht sich das Nationaltheater im Konkurrenzkampf mit dem Ludwigshafener «Ring» Hansgünther Heymes Mut zu. Dabei war nach dem Zerwürfnis mit dem ursprünglich vorgesehenen Regisseur Christof Nel unmittelbar vor Probenbeginn eher das Gegenteil zu befürchten. Aber Mannheims Operndirektor Klaus-Peter Kehr konnte als Einspringer keinen Geringeren als Achim Freyer aus dem Hut zaubern, der nach seinem erst im vergangenen Jahr abgeschlossenen «Ring» in Los Angeles nun erneut Wagners Tetralogie inszeniert.
Bei Freyer, der wie stets auch für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnet, ist alles hinweggewischt, was die Begegnung mit Wagner auf dem Regietheater oft zur Qual macht. Der Zuschauer erhält keinen ideologie- oder sozialkritischen Nachhilfeunterricht, muss sich nicht mit politischen Aktualisierungen herumschlagen und bleibt vor Psychologisierungen mit dem Holzhammer verschont. Freyer skelettiert die Handlung auf ihre Grundmuster und setzt die Figuren auf der zeit- und ortlosen Bühne wie ein Zirkusdirektor in Szene. Das nimmt dem Lehrstück vom Anfang und Ende der Zeiten, dem Spiel um Macht, Liebe und Tod aber nichts von seiner Brutalität. ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert
Gläserne Strahlkraft. Dramatische Fallhöhe und eine luxurierend ummäntelte Erotik. Die stimmliche Ausstattung von Véronique Gens, wenn man sie live hört, ist etwas Besonderes. Sie lässt sich kaum besser umschreiben als mit dem Ausdruck «grandeur». «Würde», «Herrlichkeit», «Grandezza» – das alles schwingt mit. Nicht sehr moderne Eigenschaften, scheint es. Véronique...
Unter den 768 Werken von Franz Liszt, die in Grove’s Dictionary of Music verzeichnet sind, finden sich rund achtzig Lieder – von Nummer 269 bis 350. Bevor er das erste schrieb («Angiolin»), hatte er schon Lieder von Rossini, dann vor allem von Schubert transkribiert. Über seine frühen Lieder bemerkte Liszt in einem Brief, sie seien «meistens zu aufgebläht...
Sie stehen zwar nicht ganz im Dunkeln, aber doch im Schatten: die späten Musiktheaterstücke von Kurt Weill. Der amerikanische Weill wird noch immer gern mit deutscher Herablassung abgekanzelt: ein Kunstschaffender, der am Broadway fremdgeht. Als habe Weill seine Heimat frei- und mutwilig verlassen.
Wenn die Niedersächsische Staatsoper jetzt seine «Lady in the Dark»...
