Seilschaften: Tänzerinnen, Jakub Józef Orliński (Rinaldo) und Elisabeth Reiter (Armida); Foto: Barbara Aumüller
Zauber aller Arten
Aus Gérard Corbiaus Film «Farinelli» ist jene Szene in Erinnerung geblieben, in der der Kastraten-Superstar mit seinem komponierenden Bruder Riccardo Broschi wegen dessen allzu schematischer Arien-Produktion hadert. Er setzt sich ans Cembalo, um die melodisch, rhythmisch und harmonisch allzu formelhaften Vehikel zur Demonstration bloßer vokaler Virtuosität samt ihrer mechanisch in Achteln tackernden Generalbassbegleitung zu karikieren. Doch dann ertönt Almirenas «Lascia ch’io pianga» aus Händels «Rinaldo» – und berückend geht die Sonne kantabler Inspiration auf.
Dabei ist Händels Hit beileibe nicht die einzige Qualität dieser Kreuzfahrer-Zauberoper.
Denn so paradox es scheinen mag: Händels italienische Opera seria für London hat mehr mit Wagner gemein, als es manchem Parteigänger des einen wie anderen Komponisten lieb sein mag. Denn gerade deren «Helden» sind schwache Figuren, Scheiternde, fast Bernhard’sche «Untergeher». Besonders Wagners tenorale Heroen sind eher labile Charaktere. Und so sie, wie Siegfried, einmal geradlinig erscheinen, sind ihrer Unbedarftheit wegen dem Untergang geweiht. Doch Tannhäuser, Lohengrin, Tristan und Siegmund sind «Geschlagene». Nicht wenige ...
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James Joyce zu übersetzen, ist kühn genug. Ihn zu vertonen, mindestens ambitioniert, wenn nicht verwegen. Rebecca Saunders hat es versucht, in «Yes», einer «räumlichen Performance für Sopran, 19 Solist*innen und Dirigent», die als Auftragswerk des Musikfestes Berlin vom Ensemble Musikfabrik (Leitung: Enno Poppe) uraufgeführt wurde. Wenn man so will, als Antidot zu...
WOZZECK
Ihre Ansätze, so steht zu vermuten, werden sehr unterschiedlich sein. Umso spannender, welchen Zugang Stefan Herheim und Axel Kober in Düsseldorf bzw. Robert Carsen und Leo Hussain am Theater an der Wien zu Bergs Meisterwerk gefunden haben. Ein Vergleich
LEOŠ JANÁČEK
Ein Kinderspiel? Märchen? Metapher? «Das schlaue Füchslein» wirft viele Fragen auf....
Kein Filmregisseur ist weltweit häufiger im Theater zu sehen als Ingmar Bergman. Riskant wird es, wenn ein cineastisches Kammerspiel wie «Höstsonaten» («Herbstsonate») die Opernbühne erobern soll: wenige Darsteller, kaum Handlung und lokales Milieu, dafür lange psychologisierende Dialoge, zudem eine unübertreffliche «Filmmusik» – Chopins Prélude a-Moll – in der...
