Seilschaften: Tänzerinnen, Jakub Józef Orliński (Rinaldo) und Elisabeth Reiter (Armida); Foto: Barbara Aumüller
Zauber aller Arten
Aus Gérard Corbiaus Film «Farinelli» ist jene Szene in Erinnerung geblieben, in der der Kastraten-Superstar mit seinem komponierenden Bruder Riccardo Broschi wegen dessen allzu schematischer Arien-Produktion hadert. Er setzt sich ans Cembalo, um die melodisch, rhythmisch und harmonisch allzu formelhaften Vehikel zur Demonstration bloßer vokaler Virtuosität samt ihrer mechanisch in Achteln tackernden Generalbassbegleitung zu karikieren. Doch dann ertönt Almirenas «Lascia ch’io pianga» aus Händels «Rinaldo» – und berückend geht die Sonne kantabler Inspiration auf.
Dabei ist Händels Hit beileibe nicht die einzige Qualität dieser Kreuzfahrer-Zauberoper.
Denn so paradox es scheinen mag: Händels italienische Opera seria für London hat mehr mit Wagner gemein, als es manchem Parteigänger des einen wie anderen Komponisten lieb sein mag. Denn gerade deren «Helden» sind schwache Figuren, Scheiternde, fast Bernhard’sche «Untergeher». Besonders Wagners tenorale Heroen sind eher labile Charaktere. Und so sie, wie Siegfried, einmal geradlinig erscheinen, sind ihrer Unbedarftheit wegen dem Untergang geweiht. Doch Tannhäuser, Lohengrin, Tristan und Siegmund sind «Geschlagene». Nicht wenige ...
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Ein paar Stunden vor Eröffnung des Verdi Festivals in Parma mit «Jérusalem» gab das Management die Einnahmen aus dem Vorverkauf bekannt. Mehr als eine Million Euro waren zusammengekommen – ein beachtliches Ergebnis für einen Veranstalter, der noch Ende 2015 in Bedeutungslosigkeit zu versinken drohte. Das Blatt scheint sich gewendet zu haben. Mit Neuproduktionen von...
Wenn uns die (Musik-)Geschichte eines lehrt, dann dieses: Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Auch all jene Musenkinder, die der Wiedereröffnung der Berliner Lindenoper sehnsuchtsvoll entgegengefiebert hatten, sahen sich, nolens volens, mit dieser Einsicht konfrontiert. Denn in die berechtigte Freude über die Tatsache, dass sieben Jahre im Charlottenburger...
Seit dem Umzug ins Lincoln Center 1966 hat die Met erst zwei «Normas» herausgebracht (1970 und 2001) – in Sachen Düsternis und Unbeweglichkeit stand die eine der anderen nicht nach. Jetzt hat David McVicar einen neuen Versuch unternommen. Die Bühne zeigt ein waldig-nebliges Gallien, das nach «Game of Thrones» aussieht. Das erste Bild ließe sich auch als Caspar...
