Seilschaften: Tänzerinnen, Jakub Józef Orliński (Rinaldo) und Elisabeth Reiter (Armida); Foto: Barbara Aumüller
Zauber aller Arten
Aus Gérard Corbiaus Film «Farinelli» ist jene Szene in Erinnerung geblieben, in der der Kastraten-Superstar mit seinem komponierenden Bruder Riccardo Broschi wegen dessen allzu schematischer Arien-Produktion hadert. Er setzt sich ans Cembalo, um die melodisch, rhythmisch und harmonisch allzu formelhaften Vehikel zur Demonstration bloßer vokaler Virtuosität samt ihrer mechanisch in Achteln tackernden Generalbassbegleitung zu karikieren. Doch dann ertönt Almirenas «Lascia ch’io pianga» aus Händels «Rinaldo» – und berückend geht die Sonne kantabler Inspiration auf.
Dabei ist Händels Hit beileibe nicht die einzige Qualität dieser Kreuzfahrer-Zauberoper.
Denn so paradox es scheinen mag: Händels italienische Opera seria für London hat mehr mit Wagner gemein, als es manchem Parteigänger des einen wie anderen Komponisten lieb sein mag. Denn gerade deren «Helden» sind schwache Figuren, Scheiternde, fast Bernhard’sche «Untergeher». Besonders Wagners tenorale Heroen sind eher labile Charaktere. Und so sie, wie Siegfried, einmal geradlinig erscheinen, sind ihrer Unbedarftheit wegen dem Untergang geweiht. Doch Tannhäuser, Lohengrin, Tristan und Siegmund sind «Geschlagene». Nicht wenige ...
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Dass zwei Festivals am selben Strang ziehen, ist ein Glücksfall für Italien – normalerweise bestimmt scharfer Wettbewerb den Umgangston. Doch in dieser Hinsicht hatte das vor 40 Jahren gegründete Festival Barocco di Viterbo in letzter Zeit ohnehin keine guten Karten. Weil man sich meist auf Nachwuchskräfte aus den USA verließ, die für ihre Mitwirkung auch noch...
Zum Auftakt seiner letzten Saison als Dortmunds Intendant hat sich Jens-Daniel Herzog mit «Arabella» ein Werk vorgenommen, dass nicht ohne ist. Zwar knüpft dessen Klangwelt bewusst an die bitter-frivole Süße des «Rosenkavaliers» an und spielt ebenfalls in Wien. Doch liegen mehr als 20 Jahre zwischen beiden Opern, feiert «Arabella» zudem ein rückständiges...
Es ist nun 40 Jahre her, dass die verdienstvolle Schriftenreihe «Musik-Konzepte» provokant fragte: «Ist die Zauberflöte ein Machwerk?» Es gab darauf viele Antworten, die mit «Ja, aber» begannen. Der Popularität dieser Volksoper konnte all das nichts anhaben: Seit eh und je führt sie mit weitem Abstand die Bühnenstatistiken an.
Exakt 226 Jahre nach der Uraufführung...
