Zaghafte Schritte ins Licht der Postmoderne
«Ist es nicht seltsam: So nahe uns Polen geografisch ist, so wenig wissen wir im Grund vom polnischen Musiktheater.» Was der Dresdner Musikpublizist Gottfried Schmiedel 1958 anlässlich des hundertsten Entstehungstages der Moniuszko-Oper «Halka» freiherzig zugab, hat trotz des Zusammenschnurrens allen Weltwissens auf Smartphone-Größe noch immer Gültigkeit.
Polnische Musikliebhaber pilgern lustvoll gen Westen, während in Breslau Klaus-Florian Vogts lyrische Heroismen per CD durch einen kleinen Musikladen tönen, den Besuchern eines Krakauer Buchlädchens Christian Thielemann vom taufrisch importierten Cover entgegenlächelt und man in Warschau demnächst einen rauschenden Opernball nach Dresdner Vorbild plant. In der Gegenrichtung verliert sich das Interesse schnell. Obwohl man aus der sächsischen Landeshauptstadt kommend mit dem Auto schneller vor der wunderschön renovierten Breslauer Oper steht als in der Berliner Innenstadt.
Auf internationalen Opern-Jetset ist Polen ohnehin kaum eingestellt. Wer die Reise wagt, sollte deswegen entspannt, mit offenen Ohren, aber realistischen Ansprüchen an die Sache gehen. Von infrastrukturellen Verbesserungen, die allerorten für die nahende Fußball-EM ...
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