Würfelspiel
Seit der Uraufführung 2012 beim Festival in Aix-en-Provence ist George Benjamins «Written on Skin» um die halbe Welt gereist, meist in Katie Mitchells Originalinszenierung. Regisseur William Kerley und Ausstatter Tom Rogers zapfen jetzt frische Adern an: Opera Philadelphia hat eine packende Neuproduktion herausgebracht.
In Martin Crimps Libretto, das eine Troubadour-Story aus dem 13. Jahrhundert nachzeichnet, stellt der so reiche wie brutale Protector einen Künstler ein, der sein Leben in Buchform verewigen soll. Doch der Boy beginnt eine Affäre mit der Gattin seines Herrn.
Agnès, eine Analphabetin, verlangt, dass er die Liebschaft in sein Werk einfließen lässt. Schließlich eskaliert die Lage: Der Protector tötet den Künstler und zwingt seine Frau, das Herz ihres Geliebten zu essen.
Drei platinblonde Engel in modischem Schwarz stoßen die Handlung dieser Oper an, die sich um die Frage dreht, wie Kunst das Leben deutet und unsterblich macht. Das Zusammenspiel von Kreativität und Realität rückt Kerley in den Vordergrund. Auf einer Drehbühne rotiert ein großer Kubus. Die überirdischen Wesen öffnen die Würfelflächen, um unterschiedliche Spielorte zu zeigen (acht uniforme Statisten ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Heidi Waleson
Wie es fassen? Wie es genau definieren? «Alles klingt natürlich, es ist Kunst und es ist Natur», müht sich Nikolaus Harnoncourt um eine Einkreisung. «Der Komponist malt und seine Klänge bewegen sich.» Und das Spielen? «Wir machen es alles so, als gäbe es nichts als lebende, überraschende Musik.» Ende der 1960er-Jahre ist das passiert, bei «L’Orfeo». Und wer diese...
Es beginnt mit der Aufforderung zum positive thinking, «Music for a while shall all your cares beguile»: Bekümmernisse vergessen und sich der Musik an den Hals werfen. Hat der Hörer dies getan, kann er, wenn er mag, die Geschichte einer Liebe erfahren, die ersten Wallungen, das Mit- und Gegeneinander von Freude und Zweifel, schließlich das triste Auseinandergehen....
«Der Kaiser von Atlantis», Viktor Ullmanns allegorisches «Spiel in einem Akt» nach einem Text seines tschechischen Landsmanns, des Malers und Autors Peter Kien, ist wohl die einzige vollständige (Kammer-)Oper, die in einem Konzentrationslager der Nazis geschrieben wurde. Das ist nicht nur eine ungeheuerliche Episode der Musikgeschichte. Es ist auch ein Dilemma...
