Wolkenklang

Matthias Goerne steht mit «Wanderers Nachtlied» kurz vor dem Abschluss seines Schubert-Projekts

Opernwelt - Logo

Noch ein weiteres Album, dann ist die Schubert-Edition geschafft. Nicht auf enzyklopädische Vollständigkeit zielt Matthias Goer­ne bei seinem Großprojekt: Es ist eine sehr persönliche Auswahl, die Lieder zu dramaturgisch sinnvollen Großeinheiten verbindet. Auch auf dem Doppel-Album «Wanderers Nachtlied», der vorletzten Folge, wird ohrenfällig, wo Goernes Stärken liegen, nämlich weniger bei den augenzwinkernden Miniaturen. Da, man höre etwa «Im Frühling», wären zwei, drei Gran mehr Ironie oder Pointierung schon denkbar.

Auch im «Heidenröslein», das Goerne zwar aufhellt, aber einfach eine Spur zu ernst, zu nachdrücklich nimmt.

Goerne ist dort am besten, wo Wolken das Geschehen verdunkeln – wobei dies seiner Stimme inzwischen kaum mehr passiert. Viel weniger verschleiert als früher ist sie, natürlicher, nur in (eigentlich überflüssigen) Ausnahmefällen künstlich beschattet wie in «An Schwager Kronos». Wenn Goerne gestaltet, dann hat dies nichts Äußerliches oder Dozierendes. Es ist ein zärtliches Erfühlen, ein behutsames Erfassen von Text und Melodieverlauf, ein genau­es und vorsichtiges Abwägen von Farbdosierungen und Nuancen. Weich gefasst ist Goernes Bariton noch immer – und ideal für ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Der Aufmerksame

Einen windungsreichen Weg legte der in Kissingen geborene Klaus Schultz zurück, um an die Spitze dreier Theater zu gelangen. Um die Eltern zu beruhigen, erlernte er den Brotberuf des Bibliothekars – der Sammler kostbarer Raritäten und Originalhandschriften verleugnete diese Anfänge nicht, und wenn man in die wunderbare ­Intendantenbibliothek im Münchner...

Apropos... Mal was Heiteres!

Herr Gerhaher, von Ihrem Debüt als Don Giovanni war nicht unbedingt zu erwarten, dass Sie die Rolle als Erotik-Protz, als aggressiven Verführer anlegen. Sondern?

Ich kann Ihnen ehrlich sagen: Ich hatte sechs Wochen vor der Premiere nicht die geringste Ahnung! Was ich hatte, waren Komplexe. Es ist doch ganz klar, dass man sich für den Don Giovanni vom Typus her eher...

Infos

Jubilare

Verdi hätte ihr zu ihrer Violetta gratuliert, war einmal in dieser Zeitschrift zu lesen. Zum beachtlichen Repertoire der in San Francisco gebürtigen Sopranistin Jane Marsh zählen neben den zentralen Verdi-Partien auch Mozarts Fiordiligi, Figaro-Gräfin, Donna Elvira und Donna Anna, Wagners Sieglinde, Strauss' Marschallin und Daphne, Bellinis Norma,...