Wolkenklang

Matthias Goerne steht mit «Wanderers Nachtlied» kurz vor dem Abschluss seines Schubert-Projekts

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Noch ein weiteres Album, dann ist die Schubert-Edition geschafft. Nicht auf enzyklopädische Vollständigkeit zielt Matthias Goer­ne bei seinem Großprojekt: Es ist eine sehr persönliche Auswahl, die Lieder zu dramaturgisch sinnvollen Großeinheiten verbindet. Auch auf dem Doppel-Album «Wanderers Nachtlied», der vorletzten Folge, wird ohrenfällig, wo Goernes Stärken liegen, nämlich weniger bei den augenzwinkernden Miniaturen. Da, man höre etwa «Im Frühling», wären zwei, drei Gran mehr Ironie oder Pointierung schon denkbar.

Auch im «Heidenröslein», das Goerne zwar aufhellt, aber einfach eine Spur zu ernst, zu nachdrücklich nimmt.

Goerne ist dort am besten, wo Wolken das Geschehen verdunkeln – wobei dies seiner Stimme inzwischen kaum mehr passiert. Viel weniger verschleiert als früher ist sie, natürlicher, nur in (eigentlich überflüssigen) Ausnahmefällen künstlich beschattet wie in «An Schwager Kronos». Wenn Goerne gestaltet, dann hat dies nichts Äußerliches oder Dozierendes. Es ist ein zärtliches Erfühlen, ein behutsames Erfassen von Text und Melodieverlauf, ein genau­es und vorsichtiges Abwägen von Farbdosierungen und Nuancen. Weich gefasst ist Goernes Bariton noch immer – und ideal für ...

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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Markus Thiel

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