Wo bleibt der Widerspruch?

Die Mutter Sängerin, der Großvater, Hans Pischner, Intendant der Staatsoper Unter den Linden, Studium der Opernregie: Sebastian Baumgarten ist ein Kind des Musiktheaters. Seine Grenzgänge und Gratwanderungen, das Anrennen gegen den bequemen Common Sense – für ihn sind es Maßnahmen wider die Denkfaulheit im Betrieb. Seit 2013 ist der Berliner Professor an der Münchner Theaterakademie August Everding

Opernwelt - Logo

Herr Baumgarten, inszenieren Sie anders, seit Sie Professor sind?
Ja. Der intuitive Bereich, in dem man sich beim Inszenieren bewegt, wird einer rationalen Überprüfung unterzogen. Es ist so, als ob man über das Gehen noch mal nachdenkt. Dazu kommt, dass man durch die Studierenden permanent mit neuen Ideen, Texten und Konzepten konfrontiert wird, die in meiner bisherigen Arbeit keine Rolle gespielt haben.

Sehr gut!

Gibt es auch einen Rechtfertigungsdruck gegenüber der Öffentlichkeit? Nach dem Motto: Wer Professor ist, muss es können?
Eher nicht. Viele Theaterkollegen rieten mir sogar von der Position ab. Dahinter stand wohl der Gedanke, dass die Professur auch eine Art Parkplatz sei, auf dem man erst einmal abgestellt ist. Aber das stimmt zumindest bei mir nicht. Eher ist das Gegenteil der Fall. Zudem habe ich die Professur vor allem angenommen, um meine Arbeit mit der jüngeren Generation zu vertiefen. Auch meine Regieteams sind oft sehr jung. Das hilft in der Arbeit bei ästhetischen Zugriffen und inhaltlichen Diskussionen, weil dadurch eine fruchtbare Konfrontation der Generationen entsteht. Eine weitere Folge für mich ist: Mit fünf, sechs Inszenierungen pro Jahr war ich früher ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2019
Rubrik: Interview, Seite 26
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Der gelenkte Blick

Ein Montagmorgen um zehn Uhr. Vor dem Künstlereingang der Oper an Covent Garden herrscht geschäftiges Treiben. Der imposante Bau summt wie ein Bienenstock, hinter der Bühne herrscht nüchterne Funktionalität, alles wirkt ein bisschen abgewetzt. Nichts ist hier zu ahnen von der samtroten, goldverzierten Gediegenheit des Zuschauerraums und der Foyers, in denen das...

Ungeduld der Herzen

Zwei Geschwister. Anatol, Godot. Beide werden erwartet, mit dem kleinen, feinen Unterschied, dass Becketts Titelheld mehr zur Metapher taugt, während sein Bruder im Geiste real existiert. Seit 20 Jahren harrt die schöne Vanessa seiner Ankunft, unverdrossen, sehnsüchtig, in rituell-masochistischer Hingabe. Doch die Liebe hält das Warten aus. Anatol ist der Mann...

Blut und Butter

Zwei Nachteile hat die aktuelle Therapie. Die Spritze piekst, und das Gesicht friert (im besten Fall zum Dauerlächeln) ein. Mal abgesehen von der Schuldlast, hatte also die Methode von Elisabeth Báthory, das verjüngende Bad im warmen Blut, der Botox-Injektion einiges voraus. Hunderte Mädchen ließ die ungarische Gräfin dafür bis zum Tode auspeitschen, stechen und...