Wo bleibt der Widerspruch?
Herr Baumgarten, inszenieren Sie anders, seit Sie Professor sind?
Ja. Der intuitive Bereich, in dem man sich beim Inszenieren bewegt, wird einer rationalen Überprüfung unterzogen. Es ist so, als ob man über das Gehen noch mal nachdenkt. Dazu kommt, dass man durch die Studierenden permanent mit neuen Ideen, Texten und Konzepten konfrontiert wird, die in meiner bisherigen Arbeit keine Rolle gespielt haben.
Sehr gut!
Gibt es auch einen Rechtfertigungsdruck gegenüber der Öffentlichkeit? Nach dem Motto: Wer Professor ist, muss es können?
Eher nicht. Viele Theaterkollegen rieten mir sogar von der Position ab. Dahinter stand wohl der Gedanke, dass die Professur auch eine Art Parkplatz sei, auf dem man erst einmal abgestellt ist. Aber das stimmt zumindest bei mir nicht. Eher ist das Gegenteil der Fall. Zudem habe ich die Professur vor allem angenommen, um meine Arbeit mit der jüngeren Generation zu vertiefen. Auch meine Regieteams sind oft sehr jung. Das hilft in der Arbeit bei ästhetischen Zugriffen und inhaltlichen Diskussionen, weil dadurch eine fruchtbare Konfrontation der Generationen entsteht. Eine weitere Folge für mich ist: Mit fünf, sechs Inszenierungen pro Jahr war ich früher ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Interview, Seite 26
von Markus Thiel
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