Wirres Kammerspiel, wüstes Welttheater

Heinz W. Koch über zwei Versionen von Verdis «Don Carlos»: vieraktige Hirnoper in Freiburg, fünfaktige Bauchoper in Basel

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Eine Verdi-Dublette und alles andere als ein Unglück. Zwei aufeinander folgende Premierentage, zwei unterschiedliche Werkphysiognomien, zwei Annäherungen, die nichts miteinander gemein haben: «Don Carlo», die vieraktige Fassung von 1884 auf Italienisch in Freiburg – und «Don Carlos», eine auf der Pariser Urversion fußende fünfaktige auf Französisch in nächster Nachbarschaft, in Basel.

Kürzest-Resümee: Die Verdi-Literatur hat Recht – die französische Variante ist wegen ihrer engen Verknüpfung von sprachlichem und musikalischem Tonfall der zumeist benutzten italienischen weit überlegen. Barbara Beyer inszenierte in Freiburg – Calixto Bieito, dessen Konzept zwei Jahre zuvor in Mannheim schon im Anfangsstadium am Widerstand des Ensembles gescheitert war, in Basel.
Zwei Verdi-Welten. In Freiburg haben wir es mit einem familiären Kammerdrama zu tun, in Basel mit einem bluttriefend-wüsten Welttheater. Barbara Beyers «Don Carlo» kapselt sich vom tüchtig rätselnden, am (Premieren-)En­de lautstark aufmuckenden Publikum ab. Sie kommuniziert nicht mit ihm. Bieitos «Don Carlos» schickt die Leute nach dem Autodafé mit der Endlosschleife ­eines Lorca-Gedichts zwar hoch­erregt und irritierend ...

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Opernwelt Januar 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Heinz W. Koch

Vergriffen
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