Windmaschine und Donnerkasten
Es vergeht kein Monat, ohne dass neue hörenswerte Aufnahmen mit Countertenören auf den Markt kommen. Drei der vier Sänger, deren neueste Alben hier vorzustellen sind, gehören schon zu den etablierten Vertretern ihres Fachs. Der junge Italiener Raffaele Pe ist noch nicht so bekannt, und ob es ihm gelingen wird, zu den Stars der Countertenorszene aufzuschließen, bleibt abzuwarten.
In seinem Album «The Medici Castrato», das den Spuren des Kastraten Gualberto Magli folgt, präsentiert er sich auf einem gesangstechnischen Niveau, das den heute geltenden enorm hohen Standards noch nicht entspricht. Immer wieder wackelt die Stimme, auf langen Tönen drückt Pe nach, vor allem in der oberen Lage sind die Grenzen seiner Möglichkeiten allzu deutlich zu hören. Trotzdem gestaltet er sehr intensiv, unterstützt von zwei vorzüglichen Instrumentalisten. Auch das Repertoire, Monodien unterschiedlicher Art aus dem frühen 17. Jahrhundert, verdient neugierige Hörer.
Die «Dilettanten», die Xavier Sabata auf seinem Album vorstellt, sind alles andere als komponierende Stümper, wie das heutige Wortverständnis vermuten ließe, sondern durchwegs große Könner, die das Komponieren aber nicht als Beruf, sondern ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Thomas Seedorf
Wenn Oper in der Oper zitiert wird, ist das meist Ausdruck von Komik. Hans Krása setzte noch eins drauf. Wenn er im Finale des ersten Akts seines Bühnenwerks «Verlobung im Traum» das Mädchen Sina «Casta Diva» aus Bellinis «Norma» anstimmen lässt und die Arie sich in verbaler und musikalischer Polyphonie verfängt, ist das ein virtuoses Doppelspiel mit Komik und...
Piotr Beczala hatte im vergangenen Jahr ein Operettenalbum vorgelegt, das die Fans des Genres restlos glücklich machte. Die sämige Geschmeidigkeit seines lyrischen Tenors, die leicht slawische Sprachfärbung, die k.u.k-Nostalgie beschwört, der spürbare Spaß am Kitsch. Der Pole kommt den großen Vorbildern aus der Schellack-Ära sehr nahe, vor allem Richard Tauber....
Meyerbeer und die Grand opéra – in der Musikwissenschaft sind das inzwischen vielbeachtete und -bearbeitete Themen. Die Initialzündung gab 1991 ein Symposium in Thurnau. Seither vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht mindestens eine Konferenz irgendwo auf der Welt speziell den Komponisten oder sein Genre in den Fokus nimmt. Zum 150. Todestag des Berliners taten das...
