Wien, Smetana: Die verkaufte Braut

Opernwelt - Logo

Dass Smetanas «Verkaufte Braut» nicht bloß eine buntböhmisch-sentimentale Folkloreangelegenheit ist, sondern eigentlich den ungehobelten Umgang mit dem vermeintlich schwächeren Teil der Menschheit anprangert, der vom vermeintlich stärkeren aufgrund von größeren Muskeln und neun Monaten gesteigerter Empfindlichkeit stets rücksichtslos ausgenützt wurde, haben schon zahlreiche Regisseure herauszuarbeiten versucht. Auch Uwe Eric Laufenberg in seiner Inszenierung an der Wiener Volksoper setzt dort an, kommt nur nicht entscheidend weiter.

Denn eine aufblasbare Sexpuppe mit böhmischer Tracht zu bekleiden und sie danach vom Männerchor wie einen Ballon herumschubsen zu lassen, bringt als Symbol der weiblichen Unterdrückung noch nicht viel.
Ansonsten viel Routine. Wohl erinnerte Christoph Schubingers Bühnenbild, ein überalteter Turn- und Gemeindesaal, wie er zu kommunistischen Zeiten in Osteuropa üblich war, atmosphärisch an Milos Formans frühe Filme. Doch fehlte dem Abend deren satirische Zuspitzung und leider auch ihr humorvoller Charme. Kaum mehr als konventionelle Bühnenaktion, Trachten (Kostüme: Jessica Karge), Bier und Hopsasa. Jeden Moment hätte Karl Moik hereinkommen können. Dazu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2005
Rubrik: kurz berichtet, Seite 53
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Plauen/Zwickau, Schumann: Der Rose Pilgerfahrt

Was eine Oper sei? Seit den Tagen Monteverdis wird über diese Frage rechtschaffen gestritten; und vor allem die Debatte darüber, ob ein Oratorium fürs Musiktheater tauge oder nicht, hat die Disputanten stets zu neuen Argumenten beflügelt. Im Falle von Robert Schumanns «Der Rose Pilgerfahrt» allerdings schien es bislang Common Sense zu sein, dass dieses letzte der...

Liaison mit Katzenjammer.

Wenn Musiktheater primär aus ökonomischem Antrieb zustande kommt, bedeutet dies noch nicht, dass es sich künstlerisch nicht ernst nehmen und nur billige Lösungen suchen muss. Ein internationales Veranstalter-Konsortium setzte neue quantitative Maßstäbe mit einer 1998 in Peking vor der Kulisse der «Verbotenen Stadt» entwickelten Inszenierung von Puccinis «Turandot»....

Schiller dekonstruiert

«Das Mädchen aus der Fremde» lautet der Titel eines Gedichtes von Friedrich Schiller. In diesem Jahr dreht sich alles um den Geistesheroen, der vor zweihundert Jahren starb. An der Schillerbühne zumal – denn so versteht sich das Mannheimer Nationaltheater. Der Abend, der um zwei Gedichte von Friedrich Schiller kreist, entstand als Auftragswerk der beiden...