Wie in Trance
Wozzecks Welt ist eine Scheibe. Fällt er von ihrem Rand, was ihm im Verlauf des Abends ein paar Mal passiert, fällt er ins abgründige Universum seiner wirren Fantasie. Martin Winkler spielt und singt das mit wilder, weher Leidenschaft und großer, fülliger Stimme; ein grob gewobener, doch gutmütiger Kerl, dem die Mitwelt so übel zusetzt, dass er sich zuletzt an dem rächt, was er am liebsten hat – an Marie, der Mutter seines Kindes.
Die attraktive Nicola Beller Carbone, eine «Mahagonny»-Jenny eher als das arme Büchner’sche Kleinstadtflittchen, stirbt denn auch mit einem Ausdruck entsetzten Staunens im Gesicht.
Dass man sich bei der Inszenierung, die Regisseur Philipp Himmelmann und sein Bühnenbildner Johannes Leiacker da auf die Bühne des Grazer Opernhauses gestemmt haben, etwa an Wieland Wagners Neubayreuth erinnert, ist kein Vorwurf, im Gegenteil: Das Hinterhirn speichert wohl große theatralische Leistungen, auf dass das Unterbewusstsein sie bei Bedarf assoziativ aufsteigen lässt. Im Falle dieses «Wozzeck» ist es die Spielscheibe, die sich dreht und wendet wie in Trance, ergänzt durch einen Sternenhimmel – eine Vielzahl von aus dem Bühnenhimmel hängenden Glühbirnen –, der Wozzeck ...
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