Wie geklont
Vom Überdruss singt Emilia Marty alias Elina Makropulos im letzten Akt. Das Leben lässt sie kalt, alle Höhen, alle Tiefen hat sie schon erlebt, alles schon gesehen. Das Gerangel um das Prus-Erbe? Nichts Neues, der Konflikt schwelt seit Generationen. Deshalb ist das Zimmer auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin auch zweigeteilt: Die eine Seite weist ins 20., die andere ins 19. Jahrhundert, rechts agieren die Sänger, links – eher ablenkend als erkenntnisfördernd – doppeln Statisten: Was sich jetzt bei Anwalt Kolenaty abspielt, hat sich schon einmal ereignet.
Wobei Emilia den Mann damals, «Pepi», womöglich tatsächlich geliebt hat. Die Typen, die im zweiten Akt in Corbusier-Clubsesseln um sie herumsitzen wie in einem Wartezimmer? Die sind ihr egal, in ihren Augen völlig austauschbar.
Regisseur David Hermann, der mit «Vec Makropulos» den Janácek-Zyklus der Deutschen Oper fortsetzt (zu Christof Loys eindringlicher «Jenufa» siehe Seite 24), erzählt die Handlung aus der Perspektive der Titelfigur. Zu Beginn und am Ende flattern ihre Decknamen über die Bühnenrückwand, gemeinsam sind allen die Initiale. «E. M. = me»: Psychologie statt Krimi also. Aliasse aus 337 Jahren, jeweils im Kostüm ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Wiebke Roloff
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